Trotz Hitze - frisch durch den Sommer Die heiße Jahreszeit kann die Gesundheit stark belasten. Wer sich darauf einstellt, vermag selbst Hitzewellen besser zu überstehen "Wann wird's mal wieder richtig Sommer", sang der holländische Showmaster Rudi Carrell - und landete damit im verregneten Sommer 1975 einen Hit. Heute wäre das Liedchen wohl eher ein Misserfolg: Klimaforscher und Meteorologen erwarten, dass es künftig mehr heiße Tage geben wird. Was das bedeuten könnte, haben wir bereits mehrfach erfahren, als uns der „Jahrhundertsommer" über Wochen Spitzentemperaturen bescherte. Um fast ein Grad Celsius ist die Jahresdurchschnittstemperatur seit Beginn des 20. Jahrhunderts gestiegen. Das sieht nicht nach viel aus, ist aber für die langfristige Entwicklung des Wetters auch in Mitteleuropa dramatisch. Bis zum Jahr 2100 erwarten die Forscher sogar einen weiteren Anstieg um zwei Grad. Es wird in den nächsten Jahren mehr warme und heiße Tage geben. In manchen Gebieten Deutschlands wird sich ihre Zahl langfristig sogar verdoppeln. Die meisten wird das freuen: Bei ihnen weckt die warme Jahreszeit die Lebensgeister und schafft gute Laune. Außerdem ist die Belastung durch Wetterumschwünge im Sommer geringer, die vermehrte Sonneneinstrahlung erhöht die Produktion von Vitamin D im Körper, und das Immunsystem profitiert ebenfalls von der warmen Witterung. Doch nicht jeder kann sich mitfreuen. Viele Menschen leiden an warmen Tagen unter starkem Schwitzen, klagen über Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Konzentrationsschwäche. Der Kreislauf macht schlapp Eine kurz nach dem „Jahrhundertsommer" durchgeführte Umfrage der GfK-Marktforschung im Auftrag der Apotheken Umschau hat ergeben, dass 39,9 Prozent der Deutschen unter der damaligen Hitzewelle gelitten haben. Mehr als jeder Vierte (28,9 Prozent) klagte über Kreislaufprobleme - bei den über 60-Jährigen waren es sogar 46,5 Prozent. Der Körper muss sich auf die Hitze einstellen, um einen Wärmestau zu verhindern. Die Körpertemperatur wird in erster Linie durch Schwitzen reguliert. Der Schweiß, der auf der Haut verdunstet, führt zur notwendigen Kühlung. Bei zunehmender Hitze wird es aber immer schwieriger für den Organismus, die überschüssige Wärme an die Umgebung abzugeben. Zudem verlieren wir mit dem Schweiß nicht nur Flüssigkeit, die für die Zellfunktion und den Blutdruck wichtig ist, sondern auch Elektrolyte wie Magnesium und Kalium, die für die Nerventätigkeit und die Muskelfunktion notwendig sind. Verliert der Körper durch die Hitze zu viel Flüssigkeit, drohen ernsthafte Folgen. Der Blutdruck sackt ab, das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Schwindel, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Durstgefühl weisen auf einen Hitzekollaps hin. Spätestens dann sollte man sich eine Pause an einem kühlen Ort gönnen, die Beine hochlegen und viel trinken, bis der Organismus wieder seine normale „Betriebstemperatur" erreicht hat. Besonders ausgeprägt ist die Neigung zum Hitzekollaps bei Menschen mit Venenleiden: Wenn sich die Venen in der Hitze erweitern, klappt der Rücktransport des Blutes zum Herzen noch schlechter. Weil es in den Beinen versackt, ist das Risiko von Kreislaufbeschwerden erhöht. Deshalb ist es für Patienten mit Venenschwäche wichtig, die vom Arzt verordneten Kompressionsstrümpfe aus der Apotheke ständig zu tragen -auch und erst recht an heißen Tagen. Sehr kritisch ist ein Hitzschlag. Dabei ist der Körper nicht mehr in der Lage den Blutfluss in sich selbst zu kühlen. Die Körpertemperatur steigt höher und höher, schließlich können Organe Schaden nehmen. Typisches Symptom: Die Haut ist trocken, gerötet und warm. Trinken allein genügt jetzt nicht mehr. Personen mit einem Hitzschlag sollten so schnell wie möglich an einen kühlen Ort gebracht, die Kleidung sollte gelockert und der Notarzt verständigt werden. Zusätzlich hilft es, den Patienten langsam zu kühlen, indem man ihm Luft zufächelt oder kalte, feuchte Tücher auflegt.   Der Körper braucht Elektrolyte Besonders hitzegefährdet sind Menschen, deren körpereigenes Thermoregulationssystem nur eingeschränkt oder gar nicht arbeitet. Bei Kleinkindern beispielsweise funktioniert der Wärmeaustausch mit der Umgebung noch nicht so gut wie bei Erwachsenen. Auch bei Älteren und Kranken passt sich der Organismus nicht mehr so gut an. Wer Arzneimittel einnimmt, die das Herz-Kreislauf-System und den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, sollte sich ebenfalls nicht zu sehr sommerlicher Hitze aussetzen. Zu solchen Medikamenten zählen insbesondere Blutdrucksenker. Gegebenenfalls mit seinem Arzt Rücksprache halten, ob die Dosierung entsprechend angepasst werden kann. Viele Arzneimittel können auch zu fototoxischen Reaktionen auf der Haut führen - sie rötet sich unter UV-Bestrahlung und bildet Blasen. Man sollte deshalb den Beipackzettel gründlich lesen, ob darin entsprechende Hinweise enthalten sind. In einem heißen Sommer ist es wichtig, ausreichend zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das verstärkte Schwitzen auszugleichen. Gerade bei älteren Menschen kommt das Trinken oft zu kurz, weil sie generell weniger Durst haben. Die richtige Trinkmenge hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, sodass man keine allgemeingültige Empfehlung geben kann. Als Faustregel gilt, dass ein gesunder Erwachsener durchschnittlich etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen sollte. An heißen Sommertagen dürfen es auch 2,5 Liter und mehr sein. Ein Gesunder kann nicht zu viel trinken, denn die Nieren scheiden die überschüssige Flüssigkeit problemlos aus. Allerdings gibt es auch Menschen, die aufgrund einer Herz- oder Nierenschwäche ihre Trinkmenge senken müssen. Sie benötigen aber an heißen Tagen entsprechend mehr Flüssigkeit als sonst. Wer eine reglementierte Trinkmenge hat, sollte sich gezielt vom Arzt beraten lassen und sich täglich auf die Waage stellen. Eine plötzliche Gewichtszunahme lasse dann auf unerwünschte Wassereinlagerungen im Gewebe schließen.   Eiskalte Getränke ungünstig Als geeignete Getränke empfehlen Experten Mineralwässer, verdünnte Fruchtsäfte und Früchtetees, um verloren gegangene Elektrolyte und Mineralstoffe zu ersetzen. Zu kalte Getränke sind ungünstig, da sie den Körper veranlassen, noch mehr Wärme zu produzieren. Auch auf Alkohol sollte man verzichten, da er den Kreislauf zusätzlich belastet. Um einen Sommer mit mediterranen Temperaturen gut zu überstehen, sollte man zum Beispiel zu einer mediterranen Lebensweise tendieren. Also frühmorgens und abends aktiv sein und mittags eine Siesta halten - wenn es geht. Sorgen Sie in erster Linie dafür, dass die Hitze draußen bleibt. Also die Jalousien herunterlassen und die Fenster tagsüber geschlossen halten! Lüften Sie nur frühmorgens und am späteren Abend kräftig durch. Zunehmend beliebt werden mobile Klimageräte, die Wohnräume auf eine angenehme Temperatur kühlen. Doch solch ein Gerät verbraucht relativ viel Energie und muss regelmäßig gewartet werden, damit sich keine Krankheitserreger im Filter ansiedeln. Außerdem sollte man die Klimaanlage nicht zu hoch einstellen, damit die Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen nicht zu groß sind. Denn das erschwere die Akklimatisierung, die natürliche Anpassung des Organismus an eine veränderte Umgebungstemperatur. Der Körper kann sich an die Hitze gewöhnen - wenn man ihn lässt. So ist es zum Beispiel durchaus sinnvoll, auch im Sommer regelmäßig in die Sauna zu gehen. Sauna bedeutet Gefäßtraining. Der Körper lernt, bei Hitze angemessen zu schwitzen und den Flüssigkeitshaushalt zu steuern. Allerdings ist es dann umso wichtiger, die verlorene Flüssigkeit durch Getränke wieder zu ersetzen. Denken Sie an Hitzetagen auch an andere. Achten Sie darauf, dass stets genügend Getränke im Haus sind, damit sich die Kinder jederzeit bedienen können, und schauen Sie vielleicht einmal bei älteren Nachbarn oder Angehörigen vorbei. Unangenehm können auch das Reizgas Ozon und andere Schadstoffe werden, die sich bei starker Sonneneinstrahlung bilden. Neben trockenen Augen, Mundtrockenheit und Nasenbluten kann es dann zu Atembeschwerden kommen. Betroffen sind vor allem Asthmatiker und Patienten mit anderen Lungenerkrankungen wie zum Beispiel COPD. An entsprechenden Tagen (Warnmeldungen im Rundfunk beachten!) sollten Menschen aus diesen Risikogruppen tagsüber lieber in der Wohnung bleiben. Der Deutsche Wetterdienst hat in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer ein Hitzewarnsystem eingerichtet. Sobald bestimmte Schwellenwerte überschritten werden, geht eine Warnung beispielsweise an Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Altenpflegebereich. Zusätzlich können die Warnhinweise landkreisbezogen als E-Mail Newsletter abonniert oder im Internet abgerufen werden. Gut vorbereitet können wir uns dann über einen „richtigen" Sommer freuen, den Rudi Carrell seinerzeit so herbeigesehnt hat - wenn er denn kommt.   Luftige Kleidung Sich angemessen anzuziehen macht Hitze viel erträglicher. Gut eignen sich nicht zu eng anliegende, leichte Kleidungsstücke aus Leinen oder Baumwolle, die gut luftdurchlässig sind. Synthetikfasern sollte man besser meiden, da sie die Wärme stauen und verhindern, dass der Schweiß von der Haut verdunstet. Bevorzugen Sie helle Kleidungsstücke, da sie Wärmestrahlung reflektieren und sich somit nicht zusätzlich aufheizen. Ein Sonnenhut oder eine Schirmmütze schützt den Kopf vor Sonnenstich und Sonnenbrand. Ganz wichtig: Auf unbedeckte Körperstellen Sonnencreme mit einem guten UV-Schutz auftragen.   Leichte Kost Obst, Gemüse, Salate - leichte Ernährung ist nicht nur gesund, sondern auch erfrischend. Sie belastet den Körper weniger, da er weniger Energie bereitstellen muss, um die Nahrung zu verdauen. Das kommt auch dem Wohlgefühl zugute. Zudem liefert das Grünzeug wichtige Nähr- und Mineralstoffe. Besonders lecker: gegrilltes Gemüse wie Paprika, Zucchini oder Tomaten. Scharf gewürzte Gerichte trainieren den Wärmehaushalt. Wärmeempfindliche Speisen stets vor der Hitze schützen, damit Salmonellen und andere Erreger keine Chance haben.   Locker sporteln Wer im Hochsommer Sport treibt, sollte möglichst auf den Morgen und Abend ausweichen. Dann herrschen angenehmere Temperaturen, die den Organismus weit weniger belasten, sodass Bewegung auch mehr Spaß macht. Wenn Sie tagsüber laufen oder walken, nutzen Sie schattige Waldwege statt Routen in gleißendem Sonnenlicht. Allgemein gilt: An den heißen Tagen lieber eine oder zwei Stufen zurückschalten. Ausreichend trinken ist jetzt besonders wichtig. Hilfreich sind Sportlergürtel mit Getränkehalter, in denen eine Wasserflasche mitgeführt werden kann. Spezielle, eng anliegende Funktionswäsche transportiert Schweiß gut nach außen - die Verdunstungskälte wirkt zudem erfrischend. Für Schwimmer und andere Wassersportler gilt: Wechseln Sie nasse Badebekleidung schnellstmöglich, um Infektionen zu vermeiden. Temperatur - Wasser - Flüssigkeit Temperaturregelung Mensch Mit einem ausgeklügelten Kühlsystem hält die Biomaschine Mensch ihre Betriebstemperatur. Wer derzeit aus klimatisierten Zügen oder Räumen ins Freie kommt, muss oft innerhalb weniger Minuten einen gewaltigen Temperaturanstieg verkraften. Dennoch schafft es unser Körper, auch bei großen Schwankungen seine Arbeitstemperatur immer bei den erforderlichen 37 Grad zu halten. Das ist eine Höchstleistung, die nicht immer gelingt, zeigen die Todesfälle, die so manche Hitzewelle fordert. Nach Hochrechnungen des Deutschen Wetterdienstes kostet eine Hitzewelle im Schnitt 1.600 Deutschen das Leben. Vor allem alte und kranke Menschen sterben durch Hitze, mit der der ohnehin geschwächte Körper nicht mehr fertig wird. Mit Wärme hat der menschliche Organismus ein Problem, denn reibungslos funktioniert er nur bei einer Körpertemperatur von 37 Grad. Bereits ein geringer Anstieg führt zu Störungen, bei knapp über 40 Grad reagiert das Gehirn mit Verwirrtheit und über 41 Grad führen zum tödlichen Hitzschlag mit Kreislaufversagen. Für die konstante Betriebstemperatur der Biomaschine Mensch sorgt ein ausgeklügeltes Kühlsystem. Auf der äußeren Lederhaut sind rund 30.000 Temperaturfühler verteilt, so genannte Thermorezeptoren. Sie senden ihre Messergebnisse an die Steuerungszentrale im Zwischenhirn. Allein der Stoffwechsel im Ruhezustand produziert soviel Wärme, dass ohne Kühlung die Körpertemperatur pro Stunde um ein Grad steigen würde. Denn bei der Energiegewinnung arbeitet der menschliche Organismus nicht sehr effizient: Vier Kalorien aus Nährstoffen - wie Eiweiß, Kohlehydrate und Fett - müssen verbrannt werden, um eine Kalorie in Arbeit, beispielsweise in Bewegung oder eben den Stoffwechsel, umzusetzen. Drei Viertel der Energie wird als Wärme freigesetzt. Anstrengung und Hitze erwärmen den Körper zusätzlich. Schon bei geringen Abweichungen von der Solltemperatur reagiert der Temperaturregler im Gehirn. Bei Kälte befiehlt er beispielsweise der Muskulatur das Kältezittern und bei Hitze den Hautgefäßen, sich zu weiten, so dass dort mehr Blut zirkuliert. Das Blut transportiert die überflüssige Hitze in die Außenhaut, wo sie abgestrahlt wird. Reicht das nicht aus, ergeht Order an die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen, Wasser, aus dem Blut zu pumpen. Sofort tritt klarer, dünner und geruchloser Schweiß aus den Poren, verdampft auf der erwärmten Haut und entzieht dabei Hitze. Verdunstung ist ein äußerst effektives Kühlsystem. Der menschliche Körper setzt 580 Kilokalorien Wärme frei, um einen einzigen Liter Schweiß zu verdampfen. Zwischen einem halben und acht Liter Wasser verdampft der Mensch am Tag, beim Sport beispielsweise kurzzeitig sogar bis zu zwei Liter pro Stunde. Ein Großteil der Flüssigkeit wird über die Nahrung aufgenommen. Oft ist Flüssigkeitsmangel ein Grund für Bluthochdruck. Wasser ist nicht nur wichtig für die Reinigung der Nieren sondern auch als Informationsträger für die Nerven Bei Anstrengung oder ab 29 Grad Außentemperatur fängt jeder Körper an zu schwitzen. Und alle, die bei Hitze im Meer, Freibad oder unter der kalten Dusche Linderung suchen, können es spüren: Der Wärmeübergang in kaltem Wasser ist etwa 200 Mal höher als an gleich kalter Luft. Durch die verstärkte Durchblutung der Haut kann der Blutdruck so weit sinken, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird. Die Folgen: Kopfschmerzen, Schwindel, Mattigkeit und Konzentrationsstörungen bis hin zu Fieberdelirien, Verwirrtheit oder Ohnmacht. Besonders wichtig ist, das ausgeschwitzte Wasser in die Klimaanlage Mensch nachzufüllen. Wer nicht genug trinkt, riskiert, dass das Blut zähflüssiger und dem ohnehin schon heftig pumpenden Herzen noch mehr Leistung abverlangt wird. Auch in einem sehr schwülen Klima, bei dem die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und der Schweiß nicht mehr verdunsten und die Haut kühlen kann, kann es zu einem Hitzestau kommen. Steigt dann die Körpertemperatur über 42 Grad an, stirbt der Mensch am Hitzetod. „Die Todesursache ist eine Sauerstoffunterversorgung aller Organe auf Grund einer Herz-Kreislauf- und Ateminsuffizienz". Die Temperatur, bei der sich der Mensch behaglich fühlt, ist nicht nur von der Umgebungstemperatur abhängig, sondern auch von Bewegung, Kleidung, Wind oder Luftfeuchtigkeit.   Sport und Flüssigkeit Ausdauersport stellt für den Körper eine Extremsituation dar. Für die Entwicklung einer optimalen Leistung spielt die richtige Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme eine entscheidende Rolle. Denn oft ist weniger die fehlende Muskelpower an einer Verringerung des Tempos in Langdistanzrennen schuld, als vielmehr aufkommende Probleme mit Magen und Darm. Wasser für Sportler Unser Wasserverbrauch wird in erster Linie durch die Schweißverluste bedingt. Je nach Disziplin, Wetterlage und Bekleidung werden in Wettkampfsituationen zwischen 0,6 und zwei Liter (in Extremsituationen sogar viel mehr) Schweißflüssigkeit für die Kühlung unseres Körpers benötigt. Schon Wasserverluste in Höhe von zwei Prozent des Körpergewichtes können zu Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und weiteren Überhitzungserscheinungen führen bis hin zu schweren Koordinationsstörungen. Letztere tauchen vor allem im Zusammenhang mit gleichzeitigem Mangel von Natriumchlorid, also Kochsalz auf. Natrium wird in rauen Mengen mit dem Schweiß ausgeschieden, im Mittel kann man etwa von 1.000-1.200mg pro Liter Schweißflüssigkeit ausgehen. Andere Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Calcium gehen nur in geringem Maße durch das Schwitzen verloren. Eine geringe Aufnahme von Kalium, Magnesium und Calcium kann bei hohen Schweißverlusten und langer Renndauer Sinn machen. Dann ist entweder zwischendurch einmal eines der als Streckenverpflegung angebotenen Elektrolytgetränke hilfreich, denn die kommerziell erhältlichen Getränke enthalten so gut wie alle diese Mineralien in einer entsprechend angepassten Menge. Auf der Laufstrecke darf es auch einmal ein Biss von der Banane sein. Diese liefert aber so gut wie kein Natrium. Cola übrigens auch nicht. Für Athleten mit bekannt hohem Natriumverlust sind also auf der Laufstrecke dann auch weniger Cola und reines Wasser sinnvoll. Als Getränke sollten dann die angereichten Energiedrinks genommen werden – es sein denn, man hat seine eigenen Salztabletten dabei. Um eine adäquate Menge Salz aufnehmen zu können, reicht für den einen oder anderen Athleten die beimischbare und geschmacklich vertretbare Menge nicht aus. Übrigens: Beim Laufen verträgt man naturgemäß durch das ständige „Durchschütteln“ weniger als beim ruhigen Sitzen auf dem Rad – es empfiehlt sich daher auf jeden Fall, gut gewässert in den Marathon hineinzugehen, um eventuellen Defiziten vorzubeugen!   Wasservergiftung (Wasserintoxikation) Keine der zehn DGE-Regeln (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) dürfte so populär sein wie die, „reichlich Flüssigkeit” zu trinken. Nicht nur Sportler und Wellnessfans halten sich geradezu sklavisch an den Ratschlag, sondern auch Zeitgenossen, die sich weitaus weniger um „gesunde Ernährung” scheren. Sicherheitshalber trinken sie ebenfalls regelmäßig über ihren Durst. Denn die gängige Interpretation der Empfehlung lautet: Viel trinken ist stets gesund, in jedem Alter und in jeder Lebenslage. Die Angst, nicht genügend zu trinken, sitzt tief in unserer Gesellschaft. Geschürt wird sie vor allem von Experten, die unermüdlich vor den Folgen einer Dehydrierung warnen. Bei erwiesenen gesundheitlichen Störungen mit Verlust des Durstgefühls, wie sie beispielsweise in der Altenpflege immer wieder beobachtet werden, mögen solche Hinweise zwar berechtigt sein, nicht jedoch bei gesunden Individuen. Schließlich hat sich die Menschheit seit Jahrtausenden auf ihr Durstgefühl verlassen – und kam unbeschadet über die Runden. Der unwiderstehliche Drang, bei Flüssigkeitsmangel trinken zu müssen, war und ist eine treibende Kraft, durch die der Körper im inneren Gleichgewicht bleibt. Die Natur hat dafür gesorgt, dass er nicht freiwillig auf lebensnotwendiges Wasser und damit auf die für seinen Körper erforderlichen Trinkmengen verzichtet. Vom Lebenselixier zum Kultobjekt Gerade weil es unverzichtbar ist, symbolisiert Wasser in allen Weltkulturen eine lebenserhaltende Kraft. Märchen, Mythen und Legenden ranken sich um das wertvolle Nass. So berichtet bereits Herodot von der Langlebigkeit der Äthiopien, die er mit dem Trinken des Wassers einer besonderen Quelle erklärt. Aus der Tiefe stammendes Brunnenwasser ist zwar nach wie vor dafür beliebt, dass es die „gesunden” Mineralien der Gesteine in sich birgt – wichtiger mag in früheren Jahrhunderten jedoch die Tatsache gewesen sein, dass es im Gegensatz zum oberflächennahen Wasser natürlich gereinigt war und keine Krankheitserreger enthielt. In Zeiten moderner Trinkwasserversorgung kommt hygienisch einwandfreies Naß aus der Leitung, doch der Kult um das Wasser ist ungebrochen. Er spiegelt sich insbesondere in den Warenlagern der Lebensmittel- und Getränkemärkte wider. Dort hat der Kunde die Qual der Wahl zwischen still bis spritzig oder aromatisiert und jetzt sogar – mit dem heilbringenden Mythos frischen Quellwassers werbend – sauerstoffangereichert. Die Wässer stammen dabei nicht nur aus zahlreichen deutschen Regionen, sondern auch aus den entlegensten Weltgegenden. Wenn das Fass überläuft Die Statistiken der Brauerei- und Mineralwasserverbände zeigen, dass die Deutschen die angeratenen Flüssigkeitsmengen tatsächlich konsumieren. Im Durchschnitt kauft der Bundesbürger jährlich knapp 700 Liter Flüssigkeit. 550 davon entfallen auf nichtalkoholische Getränke, was der empfohlenen Trinkmenge von 1,5 Liter täglich entspricht. Allein der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser aus deutschen Brunnen ist seit 1970 von 12,5 auf 129 Liter im Jahr 2003 angestiegen, Importwässer und aufgesprudeltes Trinkwasser nicht einbezogen. Ganz zu schweigen vom Kaffee- und Teekonsum. Doch geben diese Daten aus ernährungsphysiologischer Sicht Anlass zur Genugtuung? Leider nicht. Denn es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft durch fleißiges Trinken tatsächlich „gesünder” wurde. Trotzdem warnen Fachleute weiterhin vor zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. Sie fordern, dass insbesondere Sportler, alte Menschen und Kinder, aber auch Diätwillige und Verschnupfte endlich mehr trinken müssten. Die Gefahren dieser Empfehlung werden dabei meist ignoriert: In den vergangenen Jahren häuften sich die Fälle von Wasserintoxikationen, vor allem in den genannten Zielgruppen. In Form von Lungen- und Gehirnödemen kann eine Wasservergiftung sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Der Mythos des lebensspendenden Wassers darf deshalb nicht länger darüber hinwegtäuschen, dass ein Zuviel des wertvollen Nasses – besonders in Verbindung mit einer salzarmen Ernährung oder Salzverlusten – nicht zu mehr Gesundheit führt, sondern so manches Mal geradewegs auf die Intensivstation. Die Wasservergiftung (Hyperhydration) bzw. der Natriummangel (Hyponaträmie) sind zwei Seiten einer Medaille. Sie entstehen durch Wasserüberschuss, der einen relativen Salzmangel erzeugt. Während krankheits- und therapiebedingte Gründe für Salzverluste (z. B. Nierenschäden, Mangel an Mineralcorticoiden, Infusionsfehler oder Diuretika) zumindest dem Arzt geläufig sind, finden beratungsbedingte Ursachen wie salzarme Kost bei gleichzeitig hoher Flüssigkeitszufuhr kaum die gebotene Aufmerksamkeit. Hohe Trinkmengen verschärfen dabei die schleichende Hyponaträmie durch salzarme Ernährung, indem sie die Natriumkonzentration des Blutes weiter verdünnen.  Gefährlicher Gehirnkiller Das auffälligste Merkmal der Wasserintoxikation ist der Durst, der vielfach als Flüssigkeitsmangel gedeutet wird – eine ebenso häufige wie fatale Fehleinschätzung. Chronische Verläufe gehen mit Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, Schwindelanfällen, Lethargie und Salzhunger einher. Im fortgeschrittenen Stadium setzen – vor allem bei Kindern – Krampfanfälle ein. Akute Intoxikationen (z. B. bei Marathonläufern) sind gekennzeichnet von niedrigem Blutdruck, Tachykardie, Apathie, Muskelkrämpfen, Übelkeit und Ödemen. Speziell Gehirn- und Lungenödeme können zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tode führen: Während sie in der Lunge den Gasaustausch behindern, drücken sie im Kopf zwangsläufig auf das Gehirn, da sich das Gewebe innerhalb des Schädelknochens nicht ausdehnen kann. Die Behandlung erfolgt in erster Linie durch Kochsalzgaben und Flüssigkeitsrestriktion. Je weniger man isst... Ernährungsbedingte Ursachen, die zu einer Wasservergiftung beitragen können, sind insbesondere: Reichliche Zufuhr natriumarmer, hypotoner Flüssigkeiten wie Apfelschorle, (natriumarmes) Mineralwasser, Bier, Limonaden, Sportgetränke und verdünnte Säuglingsmilchnahrung. Hohe Zufuhr von Kalorien in flüssiger Form, z. B. Säfte bei Kleinkindern. Dadurch unterbleibt das Hungergefühl und es kommt langfristig zu einem Natriummangel, weil die Zufuhr des wichtigen Elektrolyts über feste Speisen nicht gewährleistet ist. Unnötig verstärkt wird diese Gefahr durch den DGE-Tipp „Je weniger man isst, desto mehr sollte man trinken”, der sich in den aktuellen Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr wieder findet. Salzmangel durch eingeschränkten Verzehr, z. B. durch salzarme Diät bei Bluthochdruck oder zur Gewichtsreduktion. Verstärkt wird der Effekt bei hoher Zufuhr von Kalium, dem Gegenspieler des Natriums, etwa im Rahmen von Diäten (Reis, Obst, Fruchtsäfte) oder durch Verwendung von Kochsalzersatz. Geringe Nahrungsaufnahme bei niederkalorischen oder eiweißarmen Diäten. Neben dem Natrium ist dadurch auch die Versorgung mit anderen osmotisch wirksamen Substanzen aus der Nahrung wie z. B. Glucose oder Harnstoff eingeschränkt. Mangelt es aber an gelösten Teilchen, so wird die Niere an der Wasserausscheidung gehindert. Diuretikamissbrauch zur Gewichtsabnahme (Diuretika sind Arzneimittel, die eine erhöhte Ausscheidung von Natrium-, Chlorid- und Bicarbonat-Ionen sowie (indirekt) von Wasser bewirken. Dadurch wird das Plasmavolumen gesenkt und Stauungsymptome verbessern sich). Diuretika führen zu vermehrter Wasserausscheidung, wobei das Wasser neben Natrium und Kalium auch andere Stoffe mitnimmt. Das wiederum kann zu riskanten Elektrolytverlusten führen. Gesundheitsrisiko durch Ratschläge Beim Zusammenwirken mehrerer Faktoren oder bei entsprechender Disposition sinkt die Risikoschwelle. Damit stellen vor allem allgemeine Empfehlungen, die von öffentlichen Gremien wie DGE und Verbraucherministerium herausgeben werden – etwa die Kochsalzzufuhr einzuschränken, Normalgewicht anzustreben und die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen – , ein gesundheitliches Risiko dar. Dazu gehört auch die Ermahnung „Durst sollte ... nur in Ausnahmesituationen Stimulus zur Flüssigkeitsaufnahme sein”. Demnach sollte man schon „vorher” trinken. Dieser Ratschlag impliziert, dass das körpereigene Durstgefühl den wahren Bedürfnissen hinterherhinkt. Mit der gleichen Logik könnte man auch empfehlen, die Toilette aufzusuchen, bevor die Blase drückt. Wasserbedarf: Der menschliche Körper besteht überwiegend aus Wasser, wobei der absolute Gehalt vom Fettanteil abhängt. Obwohl die fettfreie Masse ziemlich exakt 73 Prozent H2O enthält, kann ein magerer Mensch zu bis zu 70 Prozent aus Wasser bestehen, ein adipöser jedoch nur zu 45 Prozent. Pro Tag verliert ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener, der keiner körperlichen Arbeit nachgeht, etwa 2,5 Liter Wasser über Urin, Stuhl, Atemluft und Schweiß. Ersetzt wird es durch das im Körper bei der Energiegewinnung freiwerdende Oxidationswasser und dem Wasser aus fester und flüssiger Nahrung. Eine Frage der Konstitution Der Wasserbedarf unterliegt erheblichen individuellen Schwankungen. Es gibt Personen, die mit einem halben Liter an Getränken pro Tag gut zurecht kommen, während andere selbst ohne schweißtreibende Tätigkeiten mindestens zwei Liter benötigen. Diese Differenzen können z. B. auf Unterschieden in der Thermoregulation oder der Nierenfunktion beruhen, ohne deshalb pathologisch zu sein. Wer stark schwitzt, kann das 3- bis 4-fache an Flüssigkeit benötigen. Eine Rolle spielen auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und -temperatur, da sie die Abgabe von Wasser über die Atemluft beeinflussen. Nicht zuletzt enthalten manche Speisen reichlich Wasser. Beispielsweise bestehen Gurken zu 97 Prozent aus Wasser, während es der Apfelsaft nur auf 88 Prozent bringt. Daher sind viele Gemüsearten bessere Wasserlieferanten als Limonaden oder Fruchtsäfte. Verbissener Zahlenfetischismus pauschale Empfehlungen zur Trinkmenge sind folglich realitätsfremd. Ein großes Rätsel geben dabei die Referenzwerte der DGE auf, nach denen Kinder im Alter von drei Jahren täglich 940 Milliliter trinken sollen, 18-Jährige 1530 Milliliter, 19- Jährige 1470 Milliliter, 64-Jährige 1230 Milliliter und 65-Jährige 1310 Milliliter. Ob Marathon, Triathlon oder Klettern – die Zahl der Extremsportler wächst kontinuierlich. Liefen 1974 beim ersten Berlin-Marathon noch 274 Athleten mit, so waren es 2002 bereits gut 30.000 Teilnehmer. Kollabiert ein Marathonläufer nach dem Rennen, liegt der Verdacht auf Hitzeschock oder zu große Flüssigkeitsverluste am nächsten. Doch es häufen sich die Fälle, in denen nicht der Wassermangel, sondern eine Wasserintoxikation den Zusammenbruch bewirkt hat. Dabei kann nicht nur das Trinken von Mineral- oder Trinkwasser, sondern auch der literweise Konsum von vielfach empfohlenen isotonischen Getränken zu einer Flüssigkeitsüberladung des Organismus führen. Mögliche Konsequenzen sind massive Hyponaträmie und lebensbedrohliche Ödeme in Lunge und Gehirn. Tödlicher Überlauf Bereits 1985 wurde das Phänomen an einer 46-jährigen Marathonläuferin aus Südafrika dokumentiert. Doch es sollte noch viele Jahre dauern, bis die Welt des Sports das mögliche Ausmaß einer akuten Wasservergiftung tatsächlich wahrnahm. Das große Erwachen kam mit dem Tod einer Teilnehmerin des Boston Marathons im Jahre 2002. Sie starb nach dem Lauf an einer Enzephalopathie (ist ein Sammelbegriff für krankhafte Veränderungen des Gehirns unterschiedlicher Ursache und Ausprägung. Der Begriff wird im Allgemeinen nur für Veränderungen verwendet, die das Gehirn als Ganzes und nicht nur einzelne Gehirnabschnitte betreffen), die sich aufgrund exzessiver Flüssigkeitsmengen entwickelte, welche sie vor und während des Rennens getrunken hatte. Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist in solchen Fällen eine schnelle und richtige Diagnose, die naheliegende Fehldiagnose „Hitzeschock” kann für den Patienten tödlich sein. Ein 23-jähriger Triathlet überlebte nur deshalb, weil ihn der Notarzt sofort auf Wasserintoxikation hin therapierte. Er hatte vor und während des Rennens 23 Liter isotonische Flüssigkeit getrunken, was (nur) zu 3,2 Kilogramm Gewichtszunahme und einem Abfall des Natriumspiegels auf 116 Millimol pro Liter geführt hatte. Eine Woche Intensivstation mit intravenösen Natriumgaben half ihm wieder auf die Füße. Bisher sind in der Fachliteratur mehr als 250 Fälle von Ausdauersportlern mit Wasservergiftung dokumentiert. Dabei steht fest, dass diese nur die Spitze des Eisberges bilden. Denn tückischerweise ähneln die Symptome der Flüssigkeitsüberladung denen der Dehydration, weshalb es typischerweise zur Fehldiagnose kommt. Nach Ansicht des südafrikanischen Sportmediziners Tim Noakes lässt sich die Wasservergiftung bei Langzeitsportarten auf eine Überbewertung hoher Trinkmengen für Gesundheit und Erhalt der Leistungsfähigkeit zurückführen. Dabei gibt es bis heute keine Evidenz dafür, dass beispielsweise Marathonläufer über ihren Durst trinken müssen. Ganz im Gegenteil: Für die Langstreckenathleten von der Antike bis gegen Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts war eher gemäßigtes Trinken angesagt. Es wurde davor gewarnt, dass zuviel Flüssigkeit die Leistungsfähigkeit mindert. Weniger ist mehr Warum beim Sport kleinere Trinkmengen besser sind als große, zeigt Noakes. Er fand heraus, dass Langstreckensportler während des Wettkampfs durch Ausschwitzen von Salz meist in einen Natriummangel kommen. Doch wer 1-2 Kilogramm Schwitzwasserverlust in Kauf nimmt und keine besonderen Maßnahmen ergreift, bei dem sind Flüssigkeits- sowie Mineralienhaushalt innerhalb von zwei Tagen wieder auf Ursprungsniveau. Die entstandene Hyponaträmie ist zwar anhand der Blutparameter messbar, bleibt aber ohne Symptome. Anders bei denjenigen, die reichlich trinken: Der Natriummangel wird durch die Flüssigkeitsaufnahme verstärkt und die Gefahr einer Wasserintoxikation steigt. Der menschliche Organismus ist weder Kamel noch Kaktus: Ihm fehlen jegliche Wasserspeicher. Überschüssige Flüssigkeit strömt in die extrazellulären Kompartimente, verdünnt dort die Elektrolytkonzentration und entzieht dem Plasma Natrium. Gleichzeitig schwellen Hände und Füße an, schließlich bilden sich lebensbedrohende Ödeme in Lunge und Gehirn. In 73 Prozent aller Fälle, so Untersuchungen aus Neuseeland, ist die symptomatische Hyponaträmie beim Sportler auf erhöhte Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen. Noakes, selbst engagierter Verfechter des Marathons als „Sport für alle”, warnt daher vor exzessiver Flüssigkeitszufuhr. Er plädiert – ebenso wie die amerikanische Behörde für Leichtathletik, Marathon und Laufwettbewerbe – für das „Trinken nach Durstgefühl” mit einer Trinkmenge von höchstens 800 Milliliter pro Stunde während des Wettkampfs.   Homöostase von Durst und Salzappetit Die Homöostase (eine Selbstregulation die die grundlegende Tatsache bezeichnen, dass jeder lebende, also nicht im Sterben befindliche, Organismus wie ein Homöostat funktioniert, da er die zu seinem Überleben notwendigen Binnenbedingungen - z. B. bei Warmblütern die Körpertemperatur - konstant hält), zielt nicht nur auf einen konstanten Wassergehalt ab (Volumenregulation), sondern auch auf eine konstante Osmolarität (ist besonders für den Flüssigkeitstransport und Flüssigkeitshaushalt von Zellen wichtig) der Körperflüssigkeiten (Elektrolytregulation). Volumenregulation: Da der Körper nur geringe Wasserreserven besitzt und kaum überschüssiges Wasser speichern kann, muss ein gestörtes Gleichgewicht schnell wieder ausgeglichen werden. Lediglich das intrazelluläre Wasser kann kurzfristig Mängel ausgleichen. Verliert der Körper Wasser, sinkt das Blutvolumen. Spezielle Volumenrezeptoren sorgen über hormonelle Mechanismen dafür, dass vermehrt Wasser in den Nieren zurück gewonnen wird und das Durstgefühl steigt. Bei erhöhter Wasserzufuhr hingegen steigt das Blutvolumen, was die Niere zu vermehrter Ausscheidung angeregt und das Durstgefühl unterdrückt. Elektrolytregulation: Für die Körperfunktionen ist die Konzentration an Natrium- und Kaliumionen in den Körperflüssigkeiten entscheidend. Die Konzentration von Na+-Ionen im Blut entspricht im Normalfall der K+- Ionen-Konzentration in den Zellen, was einen ausgeglichenen osmotischen Druck auf beiden Seiten der Kapillarwände gewährleistet. Bei Na+-Überschuss im Blut oder K+-Mangel in den Zellen entzieht das Blut aufgrund der osmotischen Druckunterschiede den Zellen Wasser. Bei Na+-Mangel oder K+-Überschuss nimmt das Wasser den umgekehrten Weg und strömt vermehrt ins Zellinnere. Die Natriumregulation erfolgt ebenfalls per Ausscheidung über die Nieren. Bei Na+ -Überschuss produziert die Niere geringe Mengen stark konzentrierten Urins, bei Mangel große Mengen verdünnten Urins. Durst durch Trinken: Dass eine überhöhte Flüssigkeitszufuhr ab einer gewissen Menge zur Entgleisung der Homöostase führt und den Durst anregt, klingt zunächst paradox, ist aber die logische Folge der geschilderten Regulation: War die Natriumzufuhr über einen längeren Zeitraum zu niedrig bzw. die Wasserzufuhr zu hoch, so führt dies zu einem Natriummangel im Blut und zur Wasserverlagerung aus den Gefäßen in die Zellen. In der Folge versuchen die Volumenrezeptoren die Wasserverluste auszugleichen, indem sie das Durstgefühl anregen. Der starke Durst, der sich zu Beginn einer Hyponaträmie einstellt, ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis auf eine Wasservergiftung.   Sauerstoff: In Luft aufgelöst Sauerstoffangereichertes Wasser soll seinen Anbietern zufolge wahre Wunder für Gesundheit und Leistungsfähigkeit erbringen. Besonders Sportlern wird es immer wieder zur Verbesserung der Performance empfohlen. Doch bisher mangelt es an Studien, die einen positiven Effekt belegen. Eine kleine Doppelblindstudie mit Crossover-Design bestätigt stattdessen die Wirkungslosigkeit der sauerstoffangereicherten Produkte als Leistungssteigerer. Denn ganz gleich, ob die elf Teilnehmer vor dem Ergometertest angereichertes oder normales Wasser getrunken hatten: Ihre physiologischen Leistungsparameter wurden dadurch nicht beeinflusst. Kaum verwunderlich, erfolgt die Sauerstoffsättigung des Blutes doch über die Atemluft und die Lunge und nicht über den Darm. Wer glaubt, diese Sättigung ließe sich durch den Konsum von Sauerstoffwasser steigern, kann sich getrost als Opfer einer höchst phantasievollen Marketingidee ansehen.
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Trotz Hitze - frisch durch den Sommer Die heiße Jahreszeit kann die Gesundheit stark belasten. Wer sich darauf einstellt, vermag selbst Hitzewellen besser zu überstehen "Wann wird's mal wieder richtig Sommer", sang der holländische Showmaster Rudi Carrell - und landete damit im verregneten Sommer 1975 einen Hit. Heute wäre das Liedchen wohl eher ein Misserfolg: Klimaforscher und Meteorologen erwarten, dass es künftig mehr heiße Tage geben wird. Was das bedeuten könnte, haben wir bereits mehrfach erfahren, als uns der „Jahrhundertsommer" über Wochen Spitzentemperaturen bescherte. Um fast ein Grad Celsius ist die Jahresdurchschnittstemperatur seit Beginn des 20. Jahrhunderts gestiegen. Das sieht nicht nach viel aus, ist aber für die langfristige Entwicklung des Wetters auch in Mitteleuropa dramatisch. Bis zum Jahr 2100 erwarten die Forscher sogar einen weiteren Anstieg um zwei Grad. Es wird in den nächsten Jahren mehr warme und heiße Tage geben. In manchen Gebieten Deutschlands wird sich ihre Zahl langfristig sogar verdoppeln. Die meisten wird das freuen: Bei ihnen weckt die warme Jahreszeit die Lebensgeister und schafft gute Laune. Außerdem ist die Belastung durch Wetterumschwünge im Sommer geringer, die vermehrte Sonneneinstrahlung erhöht die Produktion von Vitamin D im Körper, und das Immunsystem profitiert ebenfalls von der warmen Witterung. Doch nicht jeder kann sich mitfreuen. Viele Menschen leiden an warmen Tagen unter starkem Schwitzen, klagen über Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Konzentrationsschwäche. Der Kreislauf macht schlapp Eine kurz nach dem „Jahrhundertsommer" durchgeführte Umfrage der GfK-Marktforschung im Auftrag der Apotheken Umschau hat ergeben, dass 39,9 Prozent der Deutschen unter der damaligen Hitzewelle gelitten haben. Mehr als jeder Vierte (28,9 Prozent) klagte über Kreislaufprobleme - bei den über 60-Jährigen waren es sogar 46,5 Prozent. Der Körper muss sich auf die Hitze einstellen, um einen Wärmestau zu verhindern. Die Körpertemperatur wird in erster Linie durch Schwitzen reguliert. Der Schweiß, der auf der Haut verdunstet, führt zur notwendigen Kühlung. Bei zunehmender Hitze wird es aber immer schwieriger für den Organismus, die überschüssige Wärme an die Umgebung abzugeben. Zudem verlieren wir mit dem Schweiß nicht nur Flüssigkeit, die für die Zellfunktion und den Blutdruck wichtig ist, sondern auch Elektrolyte wie Magnesium und Kalium, die für die Nerventätigkeit und die Muskelfunktion notwendig sind. Verliert der Körper durch die Hitze zu viel Flüssigkeit, drohen ernsthafte Folgen. Der Blutdruck sackt ab, das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Schwindel, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Durstgefühl weisen auf einen Hitzekollaps hin. Spätestens dann sollte man sich eine Pause an einem kühlen Ort gönnen, die Beine hochlegen und viel trinken, bis der Organismus wieder seine normale „Betriebstemperatur" erreicht hat. Besonders ausgeprägt ist die Neigung zum Hitzekollaps bei Menschen mit Venenleiden: Wenn sich die Venen in der Hitze erweitern, klappt der Rücktransport des Blutes zum Herzen noch schlechter. Weil es in den Beinen versackt, ist das Risiko von Kreislaufbeschwerden erhöht. Deshalb ist es für Patienten mit Venenschwäche wichtig, die vom Arzt verordneten Kompressionsstrümpfe aus der Apotheke ständig zu tragen -auch und erst recht an heißen Tagen. Sehr kritisch ist ein Hitzschlag. Dabei ist der Körper nicht mehr in der Lage den Blutfluss in sich selbst zu kühlen. Die Körpertemperatur steigt höher und höher, schließlich können Organe Schaden nehmen. Typisches Symptom: Die Haut ist trocken, gerötet und warm. Trinken allein genügt jetzt nicht mehr. Personen mit einem Hitzschlag sollten so schnell wie möglich an einen kühlen Ort gebracht, die Kleidung sollte gelockert und der Notarzt verständigt werden. Zusätzlich hilft es, den Patienten langsam zu kühlen, indem man ihm Luft zufächelt oder kalte, feuchte Tücher auflegt.   Der Körper braucht Elektrolyte Besonders hitzegefährdet sind Menschen, deren körpereigenes Thermoregulationssystem nur eingeschränkt oder gar nicht arbeitet. Bei Kleinkindern beispielsweise funktioniert der Wärmeaustausch mit der Umgebung noch nicht so gut wie bei Erwachsenen. Auch bei Älteren und Kranken passt sich der Organismus nicht mehr so gut an. Wer Arzneimittel einnimmt, die das Herz-Kreislauf-System und den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, sollte sich ebenfalls nicht zu sehr sommerlicher Hitze aussetzen. Zu solchen Medikamenten zählen insbesondere Blutdrucksenker. Gegebenenfalls mit seinem Arzt Rücksprache halten, ob die Dosierung entsprechend angepasst werden kann. Viele Arzneimittel können auch zu fototoxischen Reaktionen auf der Haut führen - sie rötet sich unter UV-Bestrahlung und bildet Blasen. Man sollte deshalb den Beipackzettel gründlich lesen, ob darin entsprechende Hinweise enthalten sind. In einem heißen Sommer ist es wichtig, ausreichend zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das verstärkte Schwitzen auszugleichen. Gerade bei älteren Menschen kommt das Trinken oft zu kurz, weil sie generell weniger Durst haben. Die richtige Trinkmenge hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, sodass man keine allgemeingültige Empfehlung geben kann. Als Faustregel gilt, dass ein gesunder Erwachsener durchschnittlich etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen sollte. An heißen Sommertagen dürfen es auch 2,5 Liter und mehr sein. Ein Gesunder kann nicht zu viel trinken, denn die Nieren scheiden die überschüssige Flüssigkeit problemlos aus. Allerdings gibt es auch Menschen, die aufgrund einer Herz- oder Nierenschwäche ihre Trinkmenge senken müssen. Sie benötigen aber an heißen Tagen entsprechend mehr Flüssigkeit als sonst. Wer eine reglementierte Trinkmenge hat, sollte sich gezielt vom Arzt beraten lassen und sich täglich auf die Waage stellen. Eine plötzliche Gewichtszunahme lasse dann auf unerwünschte Wassereinlagerungen im Gewebe schließen.   Eiskalte Getränke ungünstig Als geeignete Getränke empfehlen Experten Mineralwässer, verdünnte Fruchtsäfte und Früchtetees, um verloren gegangene Elektrolyte und Mineralstoffe zu ersetzen. Zu kalte Getränke sind ungünstig, da sie den Körper veranlassen, noch mehr Wärme zu produzieren. Auch auf Alkohol sollte man verzichten, da er den Kreislauf zusätzlich belastet. Um einen Sommer mit mediterranen Temperaturen gut zu überstehen, sollte man zum Beispiel zu einer mediterranen Lebensweise tendieren. Also frühmorgens und abends aktiv sein und mittags eine Siesta halten - wenn es geht. Sorgen Sie in erster Linie dafür, dass die Hitze draußen bleibt. Also die Jalousien herunterlassen und die Fenster tagsüber geschlossen halten! Lüften Sie nur frühmorgens und am späteren Abend kräftig durch. Zunehmend beliebt werden mobile Klimageräte, die Wohnräume auf eine angenehme Temperatur kühlen. Doch solch ein Gerät verbraucht relativ viel Energie und muss regelmäßig gewartet werden, damit sich keine Krankheitserreger im Filter ansiedeln. Außerdem sollte man die Klimaanlage nicht zu hoch einstellen, damit die Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen nicht zu groß sind. Denn das erschwere die Akklimatisierung, die natürliche Anpassung des Organismus an eine veränderte Umgebungstemperatur. Der Körper kann sich an die Hitze gewöhnen - wenn man ihn lässt. So ist es zum Beispiel durchaus sinnvoll, auch im Sommer regelmäßig in die Sauna zu gehen. Sauna bedeutet Gefäßtraining. Der Körper lernt, bei Hitze angemessen zu schwitzen und den Flüssigkeitshaushalt zu steuern. Allerdings ist es dann umso wichtiger, die verlorene Flüssigkeit durch Getränke wieder zu ersetzen. Denken Sie an Hitzetagen auch an andere. Achten Sie darauf, dass stets genügend Getränke im Haus sind, damit sich die Kinder jederzeit bedienen können, und schauen Sie vielleicht einmal bei älteren Nachbarn oder Angehörigen vorbei. Unangenehm können auch das Reizgas Ozon und andere Schadstoffe werden, die sich bei starker Sonneneinstrahlung bilden. Neben trockenen Augen, Mundtrockenheit und Nasenbluten kann es dann zu Atembeschwerden kommen. Betroffen sind vor allem Asthmatiker und Patienten mit anderen Lungenerkrankungen wie zum Beispiel COPD. An entsprechenden Tagen (Warnmeldungen im Rundfunk beachten!) sollten Menschen aus diesen Risikogruppen tagsüber lieber in der Wohnung bleiben. Der Deutsche Wetterdienst hat in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer ein Hitzewarnsystem eingerichtet. Sobald bestimmte Schwellenwerte überschritten werden, geht eine Warnung beispielsweise an Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Altenpflegebereich. Zusätzlich können die Warnhinweise landkreisbezogen als E-Mail Newsletter abonniert oder im Internet abgerufen werden. Gut vorbereitet können wir uns dann über einen „richtigen" Sommer freuen, den Rudi Carrell seinerzeit so herbeigesehnt hat - wenn er denn kommt.   Luftige Kleidung Sich angemessen anzuziehen macht Hitze viel erträglicher. Gut eignen sich nicht zu eng anliegende, leichte Kleidungsstücke aus Leinen oder Baumwolle, die gut luftdurchlässig sind. Synthetikfasern sollte man besser meiden, da sie die Wärme stauen und verhindern, dass der Schweiß von der Haut verdunstet. Bevorzugen Sie helle Kleidungsstücke, da sie Wärmestrahlung reflektieren und sich somit nicht zusätzlich aufheizen. Ein Sonnenhut oder eine Schirmmütze schützt den Kopf vor Sonnenstich und Sonnenbrand. Ganz wichtig: Auf unbedeckte Körperstellen Sonnencreme mit einem guten UV-Schutz auftragen.   Leichte Kost Obst, Gemüse, Salate - leichte Ernährung ist nicht nur gesund, sondern auch erfrischend. Sie belastet den Körper weniger, da er weniger Energie bereitstellen muss, um die Nahrung zu verdauen. Das kommt auch dem Wohlgefühl zugute. Zudem liefert das Grünzeug wichtige Nähr- und Mineralstoffe. Besonders lecker: gegrilltes Gemüse wie Paprika, Zucchini oder Tomaten. Scharf gewürzte Gerichte trainieren den Wärmehaushalt. Wärmeempfindliche Speisen stets vor der Hitze schützen, damit Salmonellen und andere Erreger keine Chance haben.   Locker sporteln Wer im Hochsommer Sport treibt, sollte möglichst auf den Morgen und Abend ausweichen. Dann herrschen angenehmere Temperaturen, die den Organismus weit weniger belasten, sodass Bewegung auch mehr Spaß macht. Wenn Sie tagsüber laufen oder walken, nutzen Sie schattige Waldwege statt Routen in gleißendem Sonnenlicht. Allgemein gilt: An den heißen Tagen lieber eine oder zwei Stufen zurückschalten. Ausreichend trinken ist jetzt besonders wichtig. Hilfreich sind Sportlergürtel mit Getränkehalter, in denen eine Wasserflasche mitgeführt werden kann. Spezielle, eng anliegende Funktionswäsche transportiert Schweiß gut nach außen - die Verdunstungskälte wirkt zudem erfrischend. Für Schwimmer und andere Wassersportler gilt: Wechseln Sie nasse Badebekleidung schnellstmöglich, um Infektionen zu vermeiden. Temperatur - Wasser - Flüssigkeit Temperaturregelung Mensch Mit einem ausgeklügelten Kühlsystem hält die Biomaschine Mensch ihre Betriebstemperatur. Wer derzeit aus klimatisierten Zügen oder Räumen ins Freie kommt, muss oft innerhalb weniger Minuten einen gewaltigen Temperaturanstieg verkraften. Dennoch schafft es unser Körper, auch bei großen Schwankungen seine Arbeitstemperatur immer bei den erforderlichen 37 Grad zu halten. Das ist eine Höchstleistung, die nicht immer gelingt, zeigen die Todesfälle, die so manche Hitzewelle fordert. Nach Hochrechnungen des Deutschen Wetterdienstes kostet eine Hitzewelle im Schnitt 1.600 Deutschen das Leben. Vor allem alte und kranke Menschen sterben durch Hitze, mit der der ohnehin geschwächte Körper nicht mehr fertig wird. Mit Wärme hat der menschliche Organismus ein Problem, denn reibungslos funktioniert er nur bei einer Körpertemperatur von 37 Grad. Bereits ein geringer Anstieg führt zu Störungen, bei knapp über 40 Grad reagiert das Gehirn mit Verwirrtheit und über 41 Grad führen zum tödlichen Hitzschlag mit Kreislaufversagen. Für die konstante Betriebstemperatur der Biomaschine Mensch sorgt ein ausgeklügeltes Kühlsystem. Auf der äußeren Lederhaut sind rund 30.000 Temperaturfühler verteilt, so genannte Thermorezeptoren. Sie senden ihre Messergebnisse an die Steuerungszentrale im Zwischenhirn. Allein der Stoffwechsel im Ruhezustand produziert soviel Wärme, dass ohne Kühlung die Körpertemperatur pro Stunde um ein Grad steigen würde. Denn bei der Energiegewinnung arbeitet der menschliche Organismus nicht sehr effizient: Vier Kalorien aus Nährstoffen - wie Eiweiß, Kohlehydrate und Fett - müssen verbrannt werden, um eine Kalorie in Arbeit, beispielsweise in Bewegung oder eben den Stoffwechsel, umzusetzen. Drei Viertel der Energie wird als Wärme freigesetzt. Anstrengung und Hitze erwärmen den Körper zusätzlich. Schon bei geringen Abweichungen von der Solltemperatur reagiert der Temperaturregler im Gehirn. Bei Kälte befiehlt er beispielsweise der Muskulatur das Kältezittern und bei Hitze den Hautgefäßen, sich zu weiten, so dass dort mehr Blut zirkuliert. Das Blut transportiert die überflüssige Hitze in die Außenhaut, wo sie abgestrahlt wird. Reicht das nicht aus, ergeht Order an die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen, Wasser, aus dem Blut zu pumpen. Sofort tritt klarer, dünner und geruchloser Schweiß aus den Poren, verdampft auf der erwärmten Haut und entzieht dabei Hitze. Verdunstung ist ein äußerst effektives Kühlsystem. Der menschliche Körper setzt 580 Kilokalorien Wärme frei, um einen einzigen Liter Schweiß zu verdampfen. Zwischen einem halben und acht Liter Wasser verdampft der Mensch am Tag, beim Sport beispielsweise kurzzeitig sogar bis zu zwei Liter pro Stunde. Ein Großteil der Flüssigkeit wird über die Nahrung aufgenommen. Oft ist Flüssigkeitsmangel ein Grund für Bluthochdruck. Wasser ist nicht nur wichtig für die Reinigung der Nieren sondern auch als Informationsträger für die Nerven Bei Anstrengung oder ab 29 Grad Außentemperatur fängt jeder Körper an zu schwitzen. Und alle, die bei Hitze im Meer, Freibad oder unter der kalten Dusche Linderung suchen, können es spüren: Der Wärmeübergang in kaltem Wasser ist etwa 200 Mal höher als an gleich kalter Luft. Durch die verstärkte Durchblutung der Haut kann der Blutdruck so weit sinken, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird. Die Folgen: Kopfschmerzen, Schwindel, Mattigkeit und Konzentrationsstörungen bis hin zu Fieberdelirien, Verwirrtheit oder Ohnmacht. Besonders wichtig ist, das ausgeschwitzte Wasser in die Klimaanlage Mensch nachzufüllen. Wer nicht genug trinkt, riskiert, dass das Blut zähflüssiger und dem ohnehin schon heftig pumpenden Herzen noch mehr Leistung abverlangt wird. Auch in einem sehr schwülen Klima, bei dem die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und der Schweiß nicht mehr verdunsten und die Haut kühlen kann, kann es zu einem Hitzestau kommen. Steigt dann die Körpertemperatur über 42 Grad an, stirbt der Mensch am Hitzetod. „Die Todesursache ist eine Sauerstoffunterversorgung aller Organe auf Grund einer Herz-Kreislauf- und Ateminsuffizienz". Die Temperatur, bei der sich der Mensch behaglich fühlt, ist nicht nur von der Umgebungstemperatur abhängig, sondern auch von Bewegung, Kleidung, Wind oder Luftfeuchtigkeit.   Sport und Flüssigkeit Ausdauersport stellt für den Körper eine Extremsituation dar. Für die Entwicklung einer optimalen Leistung spielt die richtige Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme eine entscheidende Rolle. Denn oft ist weniger die fehlende Muskelpower an einer Verringerung des Tempos in Langdistanzrennen schuld, als vielmehr aufkommende Probleme mit Magen und Darm. Wasser für Sportler Unser Wasserverbrauch wird in erster Linie durch die Schweißverluste bedingt. Je nach Disziplin, Wetterlage und Bekleidung werden in Wettkampfsituationen zwischen 0,6 und zwei Liter (in Extremsituationen sogar viel mehr) Schweißflüssigkeit für die Kühlung unseres Körpers benötigt. Schon Wasserverluste in Höhe von zwei Prozent des Körpergewichtes können zu Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und weiteren Überhitzungserscheinungen führen bis hin zu schweren Koordinationsstörungen. Letztere tauchen vor allem im Zusammenhang mit gleichzeitigem Mangel von Natriumchlorid, also Kochsalz auf. Natrium wird in rauen Mengen mit dem Schweiß ausgeschieden, im Mittel kann man etwa von 1.000-1.200mg pro Liter Schweißflüssigkeit ausgehen. Andere Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Calcium gehen nur in geringem Maße durch das Schwitzen verloren. Eine geringe Aufnahme von Kalium, Magnesium und Calcium kann bei hohen Schweißverlusten und langer Renndauer Sinn machen. Dann ist entweder zwischendurch einmal eines der als Streckenverpflegung angebotenen Elektrolytgetränke hilfreich, denn die kommerziell erhältlichen Getränke enthalten so gut wie alle diese Mineralien in einer entsprechend angepassten Menge. Auf der Laufstrecke darf es auch einmal ein Biss von der Banane sein. Diese liefert aber so gut wie kein Natrium. Cola übrigens auch nicht. Für Athleten mit bekannt hohem Natriumverlust sind also auf der Laufstrecke dann auch weniger Cola und reines Wasser sinnvoll. Als Getränke sollten dann die angereichten Energiedrinks genommen werden – es sein denn, man hat seine eigenen Salztabletten dabei. Um eine adäquate Menge Salz aufnehmen zu können, reicht für den einen oder anderen Athleten die beimischbare und geschmacklich vertretbare Menge nicht aus. Übrigens: Beim Laufen verträgt man naturgemäß durch das ständige „Durchschütteln“ weniger als beim ruhigen Sitzen auf dem Rad – es empfiehlt sich daher auf jeden Fall, gut gewässert in den Marathon hineinzugehen, um eventuellen Defiziten vorzubeugen!   Wasservergiftung (Wasserintoxikation) Keine der zehn DGE-Regeln (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) dürfte so populär sein wie die, „reichlich Flüssigkeit” zu trinken. Nicht nur Sportler und Wellnessfans halten sich geradezu sklavisch an den Ratschlag, sondern auch Zeitgenossen, die sich weitaus weniger um „gesunde Ernährung” scheren. Sicherheitshalber trinken sie ebenfalls regelmäßig über ihren Durst. Denn die gängige Interpretation der Empfehlung lautet: Viel trinken ist stets gesund, in jedem Alter und in jeder Lebenslage. Die Angst, nicht genügend zu trinken, sitzt tief in unserer Gesellschaft. Geschürt wird sie vor allem von Experten, die unermüdlich vor den Folgen einer Dehydrierung warnen. Bei erwiesenen gesundheitlichen Störungen mit Verlust des Durstgefühls, wie sie beispielsweise in der Altenpflege immer wieder beobachtet werden, mögen solche Hinweise zwar berechtigt sein, nicht jedoch bei gesunden Individuen. Schließlich hat sich die Menschheit seit Jahrtausenden auf ihr Durstgefühl verlassen – und kam unbeschadet über die Runden. Der unwiderstehliche Drang, bei Flüssigkeitsmangel trinken zu müssen, war und ist eine treibende Kraft, durch die der Körper im inneren Gleichgewicht bleibt. Die Natur hat dafür gesorgt, dass er nicht freiwillig auf lebensnotwendiges Wasser und damit auf die für seinen Körper erforderlichen Trinkmengen verzichtet. Vom Lebenselixier zum Kultobjekt Gerade weil es unverzichtbar ist, symbolisiert Wasser in allen Weltkulturen eine lebenserhaltende Kraft. Märchen, Mythen und Legenden ranken sich um das wertvolle Nass. So berichtet bereits Herodot von der Langlebigkeit der Äthiopien, die er mit dem Trinken des Wassers einer besonderen Quelle erklärt. Aus der Tiefe stammendes Brunnenwasser ist zwar nach wie vor dafür beliebt, dass es die „gesunden” Mineralien der Gesteine in sich birgt – wichtiger mag in früheren Jahrhunderten jedoch die Tatsache gewesen sein, dass es im Gegensatz zum oberflächennahen Wasser natürlich gereinigt war und keine Krankheitserreger enthielt. In Zeiten moderner Trinkwasserversorgung kommt hygienisch einwandfreies Naß aus der Leitung, doch der Kult um das Wasser ist ungebrochen. Er spiegelt sich insbesondere in den Warenlagern der Lebensmittel- und Getränkemärkte wider. Dort hat der Kunde die Qual der Wahl zwischen still bis spritzig oder aromatisiert und jetzt sogar – mit dem heilbringenden Mythos frischen Quellwassers werbend – sauerstoffangereichert. Die Wässer stammen dabei nicht nur aus zahlreichen deutschen Regionen, sondern auch aus den entlegensten Weltgegenden. Wenn das Fass überläuft Die Statistiken der Brauerei- und Mineralwasserverbände zeigen, dass die Deutschen die angeratenen Flüssigkeitsmengen tatsächlich konsumieren. Im Durchschnitt kauft der Bundesbürger jährlich knapp 700 Liter Flüssigkeit. 550 davon entfallen auf nichtalkoholische Getränke, was der empfohlenen Trinkmenge von 1,5 Liter täglich entspricht. Allein der Pro- Kopf-Verbrauch von Mineralwasser aus deutschen Brunnen ist seit 1970 von 12,5 auf 129 Liter im Jahr 2003 angestiegen, Importwässer und aufgesprudeltes Trinkwasser nicht einbezogen. Ganz zu schweigen vom Kaffee- und Teekonsum. Doch geben diese Daten aus ernährungsphysiologischer Sicht Anlass zur Genugtuung? Leider nicht. Denn es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft durch fleißiges Trinken tatsächlich „gesünder” wurde. Trotzdem warnen Fachleute weiterhin vor zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. Sie fordern, dass insbesondere Sportler, alte Menschen und Kinder, aber auch Diätwillige und Verschnupfte endlich mehr trinken müssten. Die Gefahren dieser Empfehlung werden dabei meist ignoriert: In den vergangenen Jahren häuften sich die Fälle von Wasserintoxikationen, vor allem in den genannten Zielgruppen. In Form von Lungen- und Gehirnödemen kann eine Wasservergiftung sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Der Mythos des lebensspendenden Wassers darf deshalb nicht länger darüber hinwegtäuschen, dass ein Zuviel des wertvollen Nasses – besonders in Verbindung mit einer salzarmen Ernährung oder Salzverlusten – nicht zu mehr Gesundheit führt, sondern so manches Mal geradewegs auf die Intensivstation. Die Wasservergiftung (Hyperhydration) bzw. der Natriummangel (Hyponaträmie) sind zwei Seiten einer Medaille. Sie entstehen durch Wasserüberschuss, der einen relativen Salzmangel erzeugt. Während krankheits- und therapiebedingte Gründe für Salzverluste (z. B. Nierenschäden, Mangel an Mineralcorticoiden, Infusionsfehler oder Diuretika) zumindest dem Arzt geläufig sind, finden beratungsbedingte Ursachen wie salzarme Kost bei gleichzeitig hoher Flüssigkeitszufuhr kaum die gebotene Aufmerksamkeit. Hohe Trinkmengen verschärfen dabei die schleichende Hyponaträmie durch salzarme Ernährung, indem sie die Natriumkonzentration des Blutes weiter verdünnen.  Gefährlicher Gehirnkiller Das auffälligste Merkmal der Wasserintoxikation ist der Durst, der vielfach als Flüssigkeitsmangel gedeutet wird – eine ebenso häufige wie fatale Fehleinschätzung. Chronische Verläufe gehen mit Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, Schwindelanfällen, Lethargie und Salzhunger einher. Im fortgeschrittenen Stadium setzen – vor allem bei Kindern – Krampfanfälle ein. Akute Intoxikationen (z. B. bei Marathonläufern) sind gekennzeichnet von niedrigem Blutdruck, Tachykardie, Apathie, Muskelkrämpfen, Übelkeit und Ödemen. Speziell Gehirn- und Lungenödeme können zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tode führen: Während sie in der Lunge den Gasaustausch behindern, drücken sie im Kopf zwangsläufig auf das Gehirn, da sich das Gewebe innerhalb des Schädelknochens nicht ausdehnen kann. Die Behandlung erfolgt in erster Linie durch Kochsalzgaben und Flüssigkeitsrestriktion. Je weniger man isst... Ernährungsbedingte Ursachen, die zu einer Wasservergiftung beitragen können, sind insbesondere: Reichliche Zufuhr natriumarmer, hypotoner Flüssigkeiten wie Apfelschorle, (natriumarmes) Mineralwasser, Bier, Limonaden, Sportgetränke und verdünnte Säuglingsmilchnahrung. Hohe Zufuhr von Kalorien in flüssiger Form, z. B. Säfte bei Kleinkindern. Dadurch unterbleibt das Hungergefühl und es kommt langfristig zu einem Natriummangel, weil die Zufuhr des wichtigen Elektrolyts über feste Speisen nicht gewährleistet ist. Unnötig verstärkt wird diese Gefahr durch den DGE-Tipp „Je weniger man isst, desto mehr sollte man trinken”, der sich in den aktuellen Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr wieder findet. Salzmangel durch eingeschränkten Verzehr, z. B. durch salzarme Diät bei Bluthochdruck oder zur Gewichtsreduktion. Verstärkt wird der Effekt bei hoher Zufuhr von Kalium, dem Gegenspieler des Natriums, etwa im Rahmen von Diäten (Reis, Obst, Fruchtsäfte) oder durch Verwendung von Kochsalzersatz. Geringe Nahrungsaufnahme bei niederkalorischen oder eiweißarmen Diäten. Neben dem Natrium ist dadurch auch die Versorgung mit anderen osmotisch wirksamen Substanzen aus der Nahrung wie z. B. Glucose oder Harnstoff eingeschränkt. Mangelt es aber an gelösten Teilchen, so wird die Niere an der Wasserausscheidung gehindert. Diuretikamissbrauch zur Gewichtsabnahme (Diuretika sind Arzneimittel, die eine erhöhte Ausscheidung von Natrium-, Chlorid- und Bicarbonat-Ionen sowie (indirekt) von Wasser bewirken. Dadurch wird das Plasmavolumen gesenkt und Stauungsymptome verbessern sich). Diuretika führen zu vermehrter Wasserausscheidung, wobei das Wasser neben Natrium und Kalium auch andere Stoffe mitnimmt. Das wiederum kann zu riskanten Elektrolytverlusten führen. Gesundheitsrisiko durch Ratschläge Beim Zusammenwirken mehrerer Faktoren oder bei entsprechender Disposition sinkt die Risikoschwelle. Damit stellen vor allem allgemeine Empfehlungen, die von öffentlichen Gremien wie DGE und Verbraucherministerium herausgeben werden – etwa die Kochsalzzufuhr einzuschränken, Normalgewicht anzustreben und die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen – , ein gesundheitliches Risiko dar. Dazu gehört auch die Ermahnung „Durst sollte ... nur in Ausnahmesituationen Stimulus zur Flüssigkeitsaufnahme sein”. Demnach sollte man schon „vorher” trinken. Dieser Ratschlag impliziert, dass das körpereigene Durstgefühl den wahren Bedürfnissen hinterherhinkt. Mit der gleichen Logik könnte man auch empfehlen, die Toilette aufzusuchen, bevor die Blase drückt. Wasserbedarf: Der menschliche Körper besteht überwiegend aus Wasser, wobei der absolute Gehalt vom Fettanteil abhängt. Obwohl die fettfreie Masse ziemlich exakt 73 Prozent H2O enthält, kann ein magerer Mensch zu bis zu 70 Prozent aus Wasser bestehen, ein adipöser jedoch nur zu 45 Prozent. Pro Tag verliert ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener, der keiner körperlichen Arbeit nachgeht, etwa 2,5 Liter Wasser über Urin, Stuhl, Atemluft und Schweiß. Ersetzt wird es durch das im Körper bei der Energiegewinnung freiwerdende Oxidationswasser und dem Wasser aus fester und flüssiger Nahrung. Eine Frage der Konstitution Der Wasserbedarf unterliegt erheblichen individuellen Schwankungen. Es gibt Personen, die mit einem halben Liter an Getränken pro Tag gut zurecht kommen, während andere selbst ohne schweißtreibende Tätigkeiten mindestens zwei Liter benötigen. Diese Differenzen können z. B. auf Unterschieden in der Thermoregulation oder der Nierenfunktion beruhen, ohne deshalb pathologisch zu sein. Wer stark schwitzt, kann das 3- bis 4-fache an Flüssigkeit benötigen. Eine Rolle spielen auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und -temperatur, da sie die Abgabe von Wasser über die Atemluft beeinflussen. Nicht zuletzt enthalten manche Speisen reichlich Wasser. Beispielsweise bestehen Gurken zu 97 Prozent aus Wasser, während es der Apfelsaft nur auf 88 Prozent bringt. Daher sind viele Gemüsearten bessere Wasserlieferanten als Limonaden oder Fruchtsäfte. Verbissener Zahlenfetischismus pauschale Empfehlungen zur Trinkmenge sind folglich realitätsfremd. Ein großes Rätsel geben dabei die Referenzwerte der DGE auf, nach denen Kinder im Alter von drei Jahren täglich 940 Milliliter trinken sollen, 18-Jährige 1530 Milliliter, 19- Jährige 1470 Milliliter, 64-Jährige 1230 Milliliter und 65-Jährige 1310 Milliliter. Ob Marathon, Triathlon oder Klettern – die Zahl der Extremsportler wächst kontinuierlich. Liefen 1974 beim ersten Berlin-Marathon noch 274 Athleten mit, so waren es 2002 bereits gut 30.000 Teilnehmer. Kollabiert ein Marathonläufer nach dem Rennen, liegt der Verdacht auf Hitzeschock oder zu große Flüssigkeitsverluste am nächsten. Doch es häufen sich die Fälle, in denen nicht der Wassermangel, sondern eine Wasserintoxikation den Zusammenbruch bewirkt hat. Dabei kann nicht nur das Trinken von Mineral- oder Trinkwasser, sondern auch der literweise Konsum von vielfach empfohlenen isotonischen Getränken zu einer Flüssigkeitsüberladung des Organismus führen. Mögliche Konsequenzen sind massive Hyponaträmie und lebensbedrohliche Ödeme in Lunge und Gehirn. Tödlicher Überlauf Bereits 1985 wurde das Phänomen an einer 46-jährigen Marathonläuferin aus Südafrika dokumentiert. Doch es sollte noch viele Jahre dauern, bis die Welt des Sports das mögliche Ausmaß einer akuten Wasservergiftung tatsächlich wahrnahm. Das große Erwachen kam mit dem Tod einer Teilnehmerin des Boston Marathons im Jahre 2002. Sie starb nach dem Lauf an einer Enzephalopathie (ist ein Sammelbegriff für krankhafte Veränderungen des Gehirns unterschiedlicher Ursache und Ausprägung. Der Begriff wird im Allgemeinen nur für Veränderungen verwendet, die das Gehirn als Ganzes und nicht nur einzelne Gehirnabschnitte betreffen), die sich aufgrund exzessiver Flüssigkeitsmengen entwickelte, welche sie vor und während des Rennens getrunken hatte. Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist in solchen Fällen eine schnelle und richtige Diagnose, die naheliegende Fehldiagnose „Hitzeschock” kann für den Patienten tödlich sein. Ein 23-jähriger Triathlet überlebte nur deshalb, weil ihn der Notarzt sofort auf Wasserintoxikation hin therapierte. Er hatte vor und während des Rennens 23 Liter isotonische Flüssigkeit getrunken, was (nur) zu 3,2 Kilogramm Gewichtszunahme und einem Abfall des Natriumspiegels auf 116 Millimol pro Liter geführt hatte. Eine Woche Intensivstation mit intravenösen Natriumgaben half ihm wieder auf die Füße. Bisher sind in der Fachliteratur mehr als 250 Fälle von Ausdauersportlern mit Wasservergiftung dokumentiert. Dabei steht fest, dass diese nur die Spitze des Eisberges bilden. Denn tückischerweise ähneln die Symptome der Flüssigkeitsüberladung denen der Dehydration, weshalb es typischerweise zur Fehldiagnose kommt. Nach Ansicht des südafrikanischen Sportmediziners Tim Noakes lässt sich die Wasservergiftung bei Langzeitsportarten auf eine Überbewertung hoher Trinkmengen für Gesundheit und Erhalt der Leistungsfähigkeit zurückführen. Dabei gibt es bis heute keine Evidenz dafür, dass beispielsweise Marathonläufer über ihren Durst trinken müssen. Ganz im Gegenteil: Für die Langstreckenathleten von der Antike bis gegen Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts war eher gemäßigtes Trinken angesagt. Es wurde davor gewarnt, dass zuviel Flüssigkeit die Leistungsfähigkeit mindert. Weniger ist mehr Warum beim Sport kleinere Trinkmengen besser sind als große, zeigt Noakes. Er fand heraus, dass Langstreckensportler während des Wettkampfs durch Ausschwitzen von Salz meist in einen Natriummangel kommen. Doch wer 1-2 Kilogramm Schwitzwasserverlust in Kauf nimmt und keine besonderen Maßnahmen ergreift, bei dem sind Flüssigkeits- sowie Mineralienhaushalt innerhalb von zwei Tagen wieder auf Ursprungsniveau. Die entstandene Hyponaträmie ist zwar anhand der Blutparameter messbar, bleibt aber ohne Symptome. Anders bei denjenigen, die reichlich trinken: Der Natriummangel wird durch die Flüssigkeitsaufnahme verstärkt und die Gefahr einer Wasserintoxikation steigt. Der menschliche Organismus ist weder Kamel noch Kaktus: Ihm fehlen jegliche Wasserspeicher. Überschüssige Flüssigkeit strömt in die extrazellulären Kompartimente, verdünnt dort die Elektrolytkonzentration und entzieht dem Plasma Natrium. Gleichzeitig schwellen Hände und Füße an, schließlich bilden sich lebensbedrohende Ödeme in Lunge und Gehirn. In 73 Prozent aller Fälle, so Untersuchungen aus Neuseeland, ist die symptomatische Hyponaträmie beim Sportler auf erhöhte Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen. Noakes, selbst engagierter Verfechter des Marathons als „Sport für alle”, warnt daher vor exzessiver Flüssigkeitszufuhr. Er plädiert – ebenso wie die amerikanische Behörde für Leichtathletik, Marathon und Laufwettbewerbe – für das „Trinken nach Durstgefühl” mit einer Trinkmenge von höchstens 800 Milliliter pro Stunde während des Wettkampfs.   Homöostase von Durst und Salzappetit Die Homöostase (eine Selbstregulation die die grundlegende Tatsache bezeichnen, dass jeder lebende, also nicht im Sterben befindliche, Organismus wie ein Homöostat funktioniert, da er die zu seinem Überleben notwendigen Binnenbedingungen - z. B. bei Warmblütern die Körpertemperatur - konstant hält), zielt nicht nur auf einen konstanten Wassergehalt ab (Volumenregulation), sondern auch auf eine konstante Osmolarität (ist besonders für den Flüssigkeitstransport und Flüssigkeitshaushalt von Zellen wichtig) der Körperflüssigkeiten (Elektrolytregulation). Volumenregulation: Da der Körper nur geringe Wasserreserven besitzt und kaum überschüssiges Wasser speichern kann, muss ein gestörtes Gleichgewicht schnell wieder ausgeglichen werden. Lediglich das intrazelluläre Wasser kann kurzfristig Mängel ausgleichen. Verliert der Körper Wasser, sinkt das Blutvolumen. Spezielle Volumenrezeptoren sorgen über hormonelle Mechanismen dafür, dass vermehrt Wasser in den Nieren zurück gewonnen wird und das Durstgefühl steigt. Bei erhöhter Wasserzufuhr hingegen steigt das Blutvolumen, was die Niere zu vermehrter Ausscheidung angeregt und das Durstgefühl unterdrückt. Elektrolytregulation: Für die Körperfunktionen ist die Konzentration an Natrium- und Kaliumionen in den Körperflüssigkeiten entscheidend. Die Konzentration von Na+-Ionen im Blut entspricht im Normalfall der K+- Ionen-Konzentration in den Zellen, was einen ausgeglichenen osmotischen Druck auf beiden Seiten der Kapillarwände gewährleistet. Bei Na+-Überschuss im Blut oder K+-Mangel in den Zellen entzieht das Blut aufgrund der osmotischen Druckunterschiede den Zellen Wasser. Bei Na+-Mangel oder K+-Überschuss nimmt das Wasser den umgekehrten Weg und strömt vermehrt ins Zellinnere. Die Natriumregulation erfolgt ebenfalls per Ausscheidung über die Nieren. Bei Na+ -Überschuss produziert die Niere geringe Mengen stark konzentrierten Urins, bei Mangel große Mengen verdünnten Urins. Durst durch Trinken: Dass eine überhöhte Flüssigkeitszufuhr ab einer gewissen Menge zur Entgleisung der Homöostase führt und den Durst anregt, klingt zunächst paradox, ist aber die logische Folge der geschilderten Regulation: War die Natriumzufuhr über einen längeren Zeitraum zu niedrig bzw. die Wasserzufuhr zu hoch, so führt dies zu einem Natriummangel im Blut und zur Wasserverlagerung aus den Gefäßen in die Zellen. In der Folge versuchen die Volumenrezeptoren die Wasserverluste auszugleichen, indem sie das Durstgefühl anregen. Der starke Durst, der sich zu Beginn einer Hyponaträmie einstellt, ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis auf eine Wasservergiftung.   Sauerstoff: In Luft aufgelöst Sauerstoffangereichertes Wasser soll seinen Anbietern zufolge wahre Wunder für Gesundheit und Leistungsfähigkeit erbringen. Besonders Sportlern wird es immer wieder zur Verbesserung der Performance empfohlen. Doch bisher mangelt es an Studien, die einen positiven Effekt belegen. Eine kleine Doppelblindstudie mit Crossover-Design bestätigt stattdessen die Wirkungslosigkeit der sauerstoffangereicherten Produkte als Leistungssteigerer. Denn ganz gleich, ob die elf Teilnehmer vor dem Ergometertest angereichertes oder normales Wasser getrunken hatten: Ihre physiologischen Leistungsparameter wurden dadurch nicht beeinflusst. Kaum verwunderlich, erfolgt die Sauerstoffsättigung des Blutes doch über die Atemluft und die Lunge und nicht über den Darm. Wer glaubt, diese Sättigung ließe sich durch den Konsum von Sauerstoffwasser steigern, kann sich getrost als Opfer einer höchst phantasievollen Marketingidee ansehen.
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Trotz Hitze - frisch durch den Sommer Die heiße Jahreszeit kann die Gesundheit stark belasten. Wer sich darauf einstellt, vermag selbst Hitzewellen besser zu überstehen "Wann wird's mal wieder richtig Sommer", sang der holländische Showmaster Rudi Carrell - und landete damit im verregneten Sommer 1975 einen Hit. Heute wäre das Liedchen wohl eher ein Misserfolg: Klimaforscher und Meteorologen erwarten, dass es künftig mehr heiße Tage geben wird. Was das bedeuten könnte, haben wir bereits mehrfach erfahren, als uns der „Jahrhundertsommer" über Wochen Spitzentemperaturen bescherte. Um fast ein Grad Celsius ist die Jahresdurchschnittstemperatur seit Beginn des 20. Jahrhunderts gestiegen. Das sieht nicht nach viel aus, ist aber für die langfristige Entwicklung des Wetters auch in Mitteleuropa dramatisch. Bis zum Jahr 2100 erwarten die Forscher sogar einen weiteren Anstieg um zwei Grad. Es wird in den nächsten Jahren mehr warme und heiße Tage geben. In manchen Gebieten Deutschlands wird sich ihre Zahl langfristig sogar verdoppeln. Die meisten wird das freuen: Bei ihnen weckt die warme Jahreszeit die Lebensgeister und schafft gute Laune. Außerdem ist die Belastung durch Wetterumschwünge im Sommer geringer, die vermehrte Sonneneinstrahlung erhöht die Produktion von Vitamin D im Körper, und das Immunsystem profitiert ebenfalls von der warmen Witterung. Doch nicht jeder kann sich mitfreuen. Viele Menschen leiden an warmen Tagen unter starkem Schwitzen, klagen über Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Konzentrationsschwäche. Der Kreislauf macht schlapp Eine kurz nach dem „Jahrhundertsommer" durchgeführte Umfrage der GfK-Marktforschung im Auftrag der Apotheken Umschau hat ergeben, dass 39,9 Prozent der Deutschen unter der damaligen Hitzewelle gelitten haben. Mehr als jeder Vierte (28,9 Prozent) klagte über Kreislaufprobleme - bei den über 60-Jährigen waren es sogar 46,5 Prozent. Der Körper muss sich auf die Hitze einstellen, um einen Wärmestau zu verhindern. Die Körpertemperatur wird in erster Linie durch Schwitzen reguliert. Der Schweiß, der auf der Haut verdunstet, führt zur notwendigen Kühlung. Bei zunehmender Hitze wird es aber immer schwieriger für den Organismus, die überschüssige Wärme an die Umgebung abzugeben. Zudem verlieren wir mit dem Schweiß nicht nur Flüssigkeit, die für die Zellfunktion und den Blutdruck wichtig ist, sondern auch Elektrolyte wie Magnesium und Kalium, die für die Nerventätigkeit und die Muskelfunktion notwendig sind. Verliert der Körper durch die Hitze zu viel Flüssigkeit, drohen ernsthafte Folgen. Der Blutdruck sackt ab, das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Schwindel, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Durstgefühl weisen auf einen Hitzekollaps hin. Spätestens dann sollte man sich eine Pause an einem kühlen Ort gönnen, die Beine hochlegen und viel trinken, bis der Organismus wieder seine normale „Betriebstemperatur" erreicht hat. Besonders ausgeprägt ist die Neigung zum Hitzekollaps bei Menschen mit Venenleiden: Wenn sich die Venen in der Hitze erweitern, klappt der Rücktransport des Blutes zum Herzen noch schlechter. Weil es in den Beinen versackt, ist das Risiko von Kreislaufbeschwerden erhöht. Deshalb ist es für Patienten mit Venenschwäche wichtig, die vom Arzt verordneten Kompressionsstrümpfe aus der Apotheke ständig zu tragen -auch und erst recht an heißen Tagen. Sehr kritisch ist ein Hitzschlag. Dabei ist der Körper nicht mehr in der Lage den Blutfluss in sich selbst zu kühlen. Die Körpertemperatur steigt höher und höher, schließlich können Organe Schaden nehmen. Typisches Symptom: Die Haut ist trocken, gerötet und warm. Trinken allein genügt jetzt nicht mehr. Personen mit einem Hitzschlag sollten so schnell wie möglich an einen kühlen Ort gebracht, die Kleidung sollte gelockert und der Notarzt verständigt werden. Zusätzlich hilft es, den Patienten langsam zu kühlen, indem man ihm Luft zufächelt oder kalte, feuchte Tücher auflegt.   Der Körper braucht Elektrolyte Besonders hitzegefährdet sind Menschen, deren körpereigenes Thermoregulationssystem nur eingeschränkt oder gar nicht arbeitet. Bei Kleinkindern beispielsweise funktioniert der Wärmeaustausch mit der Umgebung noch nicht so gut wie bei Erwachsenen. Auch bei Älteren und Kranken passt sich der Organismus nicht mehr so gut an. Wer Arzneimittel einnimmt, die das Herz-Kreislauf-System und den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, sollte sich ebenfalls nicht zu sehr sommerlicher Hitze aussetzen. Zu solchen Medikamenten zählen insbesondere Blutdrucksenker. Gegebenenfalls mit seinem Arzt Rücksprache halten, ob die Dosierung entsprechend angepasst werden kann. Viele Arzneimittel können auch zu fototoxischen Reaktionen auf der Haut führen - sie rötet sich unter UV-Bestrahlung und bildet Blasen. Man sollte deshalb den Beipackzettel gründlich lesen, ob darin entsprechende Hinweise enthalten sind. In einem heißen Sommer ist es wichtig, ausreichend zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das verstärkte Schwitzen auszugleichen. Gerade bei älteren Menschen kommt das Trinken oft zu kurz, weil sie generell weniger Durst haben. Die richtige Trinkmenge hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, sodass man keine allgemeingültige Empfehlung geben kann. Als Faustregel gilt, dass ein gesunder Erwachsener durchschnittlich etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen sollte. An heißen Sommertagen dürfen es auch 2,5 Liter und mehr sein. Ein Gesunder kann nicht zu viel trinken, denn die Nieren scheiden die überschüssige Flüssigkeit problemlos aus. Allerdings gibt es auch Menschen, die aufgrund einer Herz- oder Nierenschwäche ihre Trinkmenge senken müssen. Sie benötigen aber an heißen Tagen entsprechend mehr Flüssigkeit als sonst. Wer eine reglementierte Trinkmenge hat, sollte sich gezielt vom Arzt beraten lassen und sich täglich auf die Waage stellen. Eine plötzliche Gewichtszunahme lasse dann auf unerwünschte Wassereinlagerungen im Gewebe schließen.   Eiskalte Getränke ungünstig Als geeignete Getränke empfehlen Experten Mineralwässer, verdünnte Fruchtsäfte und Früchtetees, um verloren gegangene Elektrolyte und Mineralstoffe zu ersetzen. Zu kalte Getränke sind ungünstig, da sie den Körper veranlassen, noch mehr Wärme zu produzieren. Auch auf Alkohol sollte man verzichten, da er den Kreislauf zusätzlich belastet. Um einen Sommer mit mediterranen Temperaturen gut zu überstehen, sollte man zum Beispiel zu einer mediterranen Lebensweise tendieren. Also frühmorgens und abends aktiv sein und mittags eine Siesta halten - wenn es geht. Sorgen Sie in erster Linie dafür, dass die Hitze draußen bleibt. Also die Jalousien herunterlassen und die Fenster tagsüber geschlossen halten! Lüften Sie nur frühmorgens und am späteren Abend kräftig durch. Zunehmend beliebt werden mobile Klimageräte, die Wohnräume auf eine angenehme Temperatur kühlen. Doch solch ein Gerät verbraucht relativ viel Energie und muss regelmäßig gewartet werden, damit sich keine Krankheitserreger im Filter ansiedeln. Außerdem sollte man die Klimaanlage nicht zu hoch einstellen, damit die Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen nicht zu groß sind. Denn das erschwere die Akklimatisierung, die natürliche Anpassung des Organismus an eine veränderte Umgebungstemperatur. Der Körper kann sich an die Hitze gewöhnen - wenn man ihn lässt. So ist es zum Beispiel durchaus sinnvoll, auch im Sommer regelmäßig in die Sauna zu gehen. Sauna bedeutet Gefäßtraining. Der Körper lernt, bei Hitze angemessen zu schwitzen und den Flüssigkeitshaushalt zu steuern. Allerdings ist es dann umso wichtiger, die verlorene Flüssigkeit durch Getränke wieder zu ersetzen. Denken Sie an Hitzetagen auch an andere. Achten Sie darauf, dass stets genügend Getränke im Haus sind, damit sich die Kinder jederzeit bedienen können, und schauen Sie vielleicht einmal bei älteren Nachbarn oder Angehörigen vorbei. Unangenehm können auch das Reizgas Ozon und andere Schadstoffe werden, die sich bei starker Sonneneinstrahlung bilden. Neben trockenen Augen, Mundtrockenheit und Nasenbluten kann es dann zu Atembeschwerden kommen. Betroffen sind vor allem Asthmatiker und Patienten mit anderen Lungenerkrankungen wie zum Beispiel COPD. An entsprechenden Tagen (Warnmeldungen im Rundfunk beachten!) sollten Menschen aus diesen Risikogruppen tagsüber lieber in der Wohnung bleiben. Der Deutsche Wetterdienst hat in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer ein Hitzewarnsystem eingerichtet. Sobald bestimmte Schwellenwerte überschritten werden, geht eine Warnung beispielsweise an Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Altenpflegebereich. Zusätzlich können die Warnhinweise landkreisbezogen als E-Mail Newsletter abonniert oder im Internet abgerufen werden. Gut vorbereitet können wir uns dann über einen „richtigen" Sommer freuen, den Rudi Carrell seinerzeit so herbeigesehnt hat - wenn er denn kommt.   Luftige Kleidung Sich angemessen anzuziehen macht Hitze viel erträglicher. Gut eignen sich nicht zu eng anliegende, leichte Kleidungsstücke aus Leinen oder Baumwolle, die gut luftdurchlässig sind. Synthetikfasern sollte man besser meiden, da sie die Wärme stauen und verhindern, dass der Schweiß von der Haut verdunstet. Bevorzugen Sie helle Kleidungsstücke, da sie Wärmestrahlung reflektieren und sich somit nicht zusätzlich aufheizen. Ein Sonnenhut oder eine Schirmmütze schützt den Kopf vor Sonnenstich und Sonnenbrand. Ganz wichtig: Auf unbedeckte Körperstellen Sonnencreme mit einem guten UV-Schutz auftragen.   Leichte Kost Obst, Gemüse, Salate - leichte Ernährung ist nicht nur gesund, sondern auch erfrischend. Sie belastet den Körper weniger, da er weniger Energie bereitstellen muss, um die Nahrung zu verdauen. Das kommt auch dem Wohlgefühl zugute. Zudem liefert das Grünzeug wichtige Nähr- und Mineralstoffe. Besonders lecker: gegrilltes Gemüse wie Paprika, Zucchini oder Tomaten. Scharf gewürzte Gerichte trainieren den Wärmehaushalt. Wärmeempfindliche Speisen stets vor der Hitze schützen, damit Salmonellen und andere Erreger keine Chance haben.   Locker sporteln Wer im Hochsommer Sport treibt, sollte möglichst auf den Morgen und Abend ausweichen. Dann herrschen angenehmere Temperaturen, die den Organismus weit weniger belasten, sodass Bewegung auch mehr Spaß macht. Wenn Sie tagsüber laufen oder walken, nutzen Sie schattige Waldwege statt Routen in gleißendem Sonnenlicht. Allgemein gilt: An den heißen Tagen lieber eine oder zwei Stufen zurückschalten. Ausreichend trinken ist jetzt besonders wichtig. Hilfreich sind Sportlergürtel mit Getränkehalter, in denen eine Wasserflasche mitgeführt werden kann. Spezielle, eng anliegende Funktionswäsche transportiert Schweiß gut nach außen - die Verdunstungskälte wirkt zudem erfrischend. Für Schwimmer und andere Wassersportler gilt: Wechseln Sie nasse Badebekleidung schnellstmöglich, um Infektionen zu vermeiden. Temperatur - Wasser - Flüssigkeit Temperaturregelung Mensch Mit einem ausgeklügelten Kühlsystem hält die Biomaschine Mensch ihre Betriebstemperatur. Wer derzeit aus klimatisierten Zügen oder Räumen ins Freie kommt, muss oft innerhalb weniger Minuten einen gewaltigen Temperaturanstieg verkraften. Dennoch schafft es unser Körper, auch bei großen Schwankungen seine Arbeitstemperatur immer bei den erforderlichen 37 Grad zu halten. Das ist eine Höchstleistung, die nicht immer gelingt, zeigen die Todesfälle, die so manche Hitzewelle fordert. Nach Hochrechnungen des Deutschen Wetterdienstes kostet eine Hitzewelle im Schnitt 1.600 Deutschen das Leben. Vor allem alte und kranke Menschen sterben durch Hitze, mit der der ohnehin geschwächte Körper nicht mehr fertig wird. Mit Wärme hat der menschliche Organismus ein Problem, denn reibungslos funktioniert er nur bei einer Körpertemperatur von 37 Grad. Bereits ein geringer Anstieg führt zu Störungen, bei knapp über 40 Grad reagiert das Gehirn mit Verwirrtheit und über 41 Grad führen zum tödlichen Hitzschlag mit Kreislaufversagen. Für die konstante Betriebstemperatur der Biomaschine Mensch sorgt ein ausgeklügeltes Kühlsystem. Auf der äußeren Lederhaut sind rund 30.000 Temperaturfühler verteilt, so genannte Thermorezeptoren. Sie senden ihre Messergebnisse an die Steuerungszentrale im Zwischenhirn. Allein der Stoffwechsel im Ruhezustand produziert soviel Wärme, dass ohne Kühlung die Körpertemperatur pro Stunde um ein Grad steigen würde. Denn bei der Energiegewinnung arbeitet der menschliche Organismus nicht sehr effizient: Vier Kalorien aus Nährstoffen - wie Eiweiß, Kohlehydrate und Fett - müssen verbrannt werden, um eine Kalorie in Arbeit, beispielsweise in Bewegung oder eben den Stoffwechsel, umzusetzen. Drei Viertel der Energie wird als Wärme freigesetzt. Anstrengung und Hitze erwärmen den Körper zusätzlich. Schon bei geringen Abweichungen von der Solltemperatur reagiert der Temperaturregler im Gehirn. Bei Kälte befiehlt er beispielsweise der Muskulatur das Kältezittern und bei Hitze den Hautgefäßen, sich zu weiten, so dass dort mehr Blut zirkuliert. Das Blut transportiert die überflüssige Hitze in die Außenhaut, wo sie abgestrahlt wird. Reicht das nicht aus, ergeht Order an die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen, Wasser, aus dem Blut zu pumpen. Sofort tritt klarer, dünner und geruchloser Schweiß aus den Poren, verdampft auf der erwärmten Haut und entzieht dabei Hitze. Verdunstung ist ein äußerst effektives Kühlsystem. Der menschliche Körper setzt 580 Kilokalorien Wärme frei, um einen einzigen Liter Schweiß zu verdampfen. Zwischen einem halben und acht Liter Wasser verdampft der Mensch am Tag, beim Sport beispielsweise kurzzeitig sogar bis zu zwei Liter pro Stunde. Ein Großteil der Flüssigkeit wird über die Nahrung aufgenommen. Oft ist Flüssigkeitsmangel ein Grund für Bluthochdruck. Wasser ist nicht nur wichtig für die Reinigung der Nieren sondern auch als Informationsträger für die Nerven Bei Anstrengung oder ab 29 Grad Außentemperatur fängt jeder Körper an zu schwitzen. Und alle, die bei Hitze im Meer, Freibad oder unter der kalten Dusche Linderung suchen, können es spüren: Der Wärmeübergang in kaltem Wasser ist etwa 200 Mal höher als an gleich kalter Luft. Durch die verstärkte Durchblutung der Haut kann der Blutdruck so weit sinken, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird. Die Folgen: Kopfschmerzen, Schwindel, Mattigkeit und Konzentrationsstörungen bis hin zu Fieberdelirien, Verwirrtheit oder Ohnmacht. Besonders wichtig ist, das ausgeschwitzte Wasser in die Klimaanlage Mensch nachzufüllen. Wer nicht genug trinkt, riskiert, dass das Blut zähflüssiger und dem ohnehin schon heftig pumpenden Herzen noch mehr Leistung abverlangt wird. Auch in einem sehr schwülen Klima, bei dem die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und der Schweiß nicht mehr verdunsten und die Haut kühlen kann, kann es zu einem Hitzestau kommen. Steigt dann die Körpertemperatur über 42 Grad an, stirbt der Mensch am Hitzetod. „Die Todesursache ist eine Sauerstoffunterversorgung aller Organe auf Grund einer Herz-Kreislauf- und Ateminsuffizienz". Die Temperatur, bei der sich der Mensch behaglich fühlt, ist nicht nur von der Umgebungstemperatur abhängig, sondern auch von Bewegung, Kleidung, Wind oder Luftfeuchtigkeit.   Sport und Flüssigkeit Ausdauersport stellt für den Körper eine Extremsituation dar. Für die Entwicklung einer optimalen Leistung spielt die richtige Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme eine entscheidende Rolle. Denn oft ist weniger die fehlende Muskelpower an einer Verringerung des Tempos in Langdistanzrennen schuld, als vielmehr aufkommende Probleme mit Magen und Darm. Wasser für Sportler Unser Wasserverbrauch wird in erster Linie durch die Schweißverluste bedingt. Je nach Disziplin, Wetterlage und Bekleidung werden in Wettkampfsituationen zwischen 0,6 und zwei Liter (in Extremsituationen sogar viel mehr) Schweißflüssigkeit für die Kühlung unseres Körpers benötigt. Schon Wasserverluste in Höhe von zwei Prozent des Körpergewichtes können zu Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen und weiteren Überhitzungserscheinungen führen bis hin zu schweren Koordinationsstörungen. Letztere tauchen vor allem im Zusammenhang mit gleichzeitigem Mangel von Natriumchlorid, also Kochsalz auf. Natrium wird in rauen Mengen mit dem Schweiß ausgeschieden, im Mittel kann man etwa von 1.000-1.200mg pro Liter Schweißflüssigkeit ausgehen. Andere Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Calcium gehen nur in geringem Maße durch das Schwitzen verloren. Eine geringe Aufnahme von Kalium, Magnesium und Calcium kann bei hohen Schweißverlusten und langer Renndauer Sinn machen. Dann ist entweder zwischendurch einmal eines der als Streckenverpflegung angebotenen Elektrolytgetränke hilfreich, denn die kommerziell erhältlichen Getränke enthalten so gut wie alle diese Mineralien in einer entsprechend angepassten Menge. Auf der Laufstrecke darf es auch einmal ein Biss von der Banane sein. Diese liefert aber so gut wie kein Natrium. Cola übrigens auch nicht. Für Athleten mit bekannt hohem Natriumverlust sind also auf der Laufstrecke dann auch weniger Cola und reines Wasser sinnvoll. Als Getränke sollten dann die angereichten Energiedrinks genommen werden – es sein denn, man hat seine eigenen Salztabletten dabei. Um eine adäquate Menge Salz aufnehmen zu können, reicht für den einen oder anderen Athleten die beimischbare und geschmacklich vertretbare Menge nicht aus. Übrigens: Beim Laufen verträgt man naturgemäß durch das ständige „Durchschütteln“ weniger als beim ruhigen Sitzen auf dem Rad – es empfiehlt sich daher auf jeden Fall, gut gewässert in den Marathon hineinzugehen, um eventuellen Defiziten vorzubeugen!   Wasservergiftung (Wasserintoxikation) Keine der zehn DGE-Regeln (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) dürfte so populär sein wie die, „reichlich Flüssigkeit” zu trinken. Nicht nur Sportler und Wellnessfans halten sich geradezu sklavisch an den Ratschlag, sondern auch Zeitgenossen, die sich weitaus weniger um „gesunde Ernährung” scheren. Sicherheitshalber trinken sie ebenfalls regelmäßig über ihren Durst. Denn die gängige Interpretation der Empfehlung lautet: Viel trinken ist stets gesund, in jedem Alter und in jeder Lebenslage. Die Angst, nicht genügend zu trinken, sitzt tief in unserer Gesellschaft. Geschürt wird sie vor allem von Experten, die unermüdlich vor den Folgen einer Dehydrierung warnen. Bei erwiesenen gesundheitlichen Störungen mit Verlust des Durstgefühls, wie sie beispielsweise in der Altenpflege immer wieder beobachtet werden, mögen solche Hinweise zwar berechtigt sein, nicht jedoch bei gesunden Individuen. Schließlich hat sich die Menschheit seit Jahrtausenden auf ihr Durstgefühl verlassen – und kam unbeschadet über die Runden. Der unwiderstehliche Drang, bei Flüssigkeitsmangel trinken zu müssen, war und ist eine treibende Kraft, durch die der Körper im inneren Gleichgewicht bleibt. Die Natur hat dafür gesorgt, dass er nicht freiwillig auf lebensnotwendiges Wasser und damit auf die für seinen Körper erforderlichen Trinkmengen verzichtet. Vom Lebenselixier zum Kultobjekt Gerade weil es unverzichtbar ist, symbolisiert Wasser in allen Weltkulturen eine lebenserhaltende Kraft. Märchen, Mythen und Legenden ranken sich um das wertvolle Nass. So berichtet bereits Herodot von der Langlebigkeit der Äthiopien, die er mit dem Trinken des Wassers einer besonderen Quelle erklärt. Aus der Tiefe stammendes Brunnenwasser ist zwar nach wie vor dafür beliebt, dass es die „gesunden” Mineralien der Gesteine in sich birgt – wichtiger mag in früheren Jahrhunderten jedoch die Tatsache gewesen sein, dass es im Gegensatz zum oberflächennahen Wasser natürlich gereinigt war und keine Krankheitserreger enthielt. In Zeiten moderner Trinkwasserversorgung kommt hygienisch einwandfreies Naß aus der Leitung, doch der Kult um das Wasser ist ungebrochen. Er spiegelt sich insbesondere in den Warenlagern der Lebensmittel- und Getränkemärkte wider. Dort hat der Kunde die Qual der Wahl zwischen still bis spritzig oder aromatisiert und jetzt sogar – mit dem heilbringenden Mythos frischen Quellwassers werbend – sauerstoffangereichert. Die Wässer stammen dabei nicht nur aus zahlreichen deutschen Regionen, sondern auch aus den entlegensten Weltgegenden. Wenn das Fass überläuft Die Statistiken der Brauerei- und Mineralwasserverbände zeigen, dass die Deutschen die angeratenen Flüssigkeitsmengen tatsächlich konsumieren. Im Durchschnitt kauft der Bundesbürger jährlich knapp 700 Liter Flüssigkeit. 550 davon entfallen auf nichtalkoholische Getränke, was der empfohlenen Trinkmenge von 1,5 Liter täglich entspricht. Allein der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser aus deutschen Brunnen ist seit 1970 von 12,5 auf 129 Liter im Jahr 2003 angestiegen, Importwässer und aufgesprudeltes Trinkwasser nicht einbezogen. Ganz zu schweigen vom Kaffee- und Teekonsum. Doch geben diese Daten aus ernährungsphysiologischer Sicht Anlass zur Genugtuung? Leider nicht. Denn es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Gesellschaft durch fleißiges Trinken tatsächlich „gesünder” wurde. Trotzdem warnen Fachleute weiterhin vor zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. Sie fordern, dass insbesondere Sportler, alte Menschen und Kinder, aber auch Diätwillige und Verschnupfte endlich mehr trinken müssten. Die Gefahren dieser Empfehlung werden dabei meist ignoriert: In den vergangenen Jahren häuften sich die Fälle von Wasserintoxikationen, vor allem in den genannten Zielgruppen. In Form von Lungen- und Gehirnödemen kann eine Wasservergiftung sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Der Mythos des lebensspendenden Wassers darf deshalb nicht länger darüber hinwegtäuschen, dass ein Zuviel des wertvollen Nasses – besonders in Verbindung mit einer salzarmen Ernährung oder Salzverlusten – nicht zu mehr Gesundheit führt, sondern so manches Mal geradewegs auf die Intensivstation. Die Wasservergiftung (Hyperhydration) bzw. der Natriummangel (Hyponaträmie) sind zwei Seiten einer Medaille. Sie entstehen durch Wasserüberschuss, der einen relativen Salzmangel erzeugt. Während krankheits- und therapiebedingte Gründe für Salzverluste (z. B. Nierenschäden, Mangel an Mineralcorticoiden, Infusionsfehler oder Diuretika) zumindest dem Arzt geläufig sind, finden beratungsbedingte Ursachen wie salzarme Kost bei gleichzeitig hoher Flüssigkeitszufuhr kaum die gebotene Aufmerksamkeit. Hohe Trinkmengen verschärfen dabei die schleichende Hyponaträmie durch salzarme Ernährung, indem sie die Natriumkonzentration des Blutes weiter verdünnen. Gefährlicher Gehirnkiller Das auffälligste Merkmal der Wasserintoxikation ist der Durst, der vielfach als Flüssigkeitsmangel gedeutet wird – eine ebenso häufige wie fatale Fehleinschätzung. Chronische Verläufe gehen mit Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen, Schwindelanfällen, Lethargie und Salzhunger einher. Im fortgeschrittenen Stadium setzen – vor allem bei Kindern – Krampfanfälle ein. Akute Intoxikationen (z. B. bei Marathonläufern) sind gekennzeichnet von niedrigem Blutdruck, Tachykardie, Apathie, Muskelkrämpfen, Übelkeit und Ödemen. Speziell Gehirn- und Lungenödeme können zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tode führen: Während sie in der Lunge den Gasaustausch behindern, drücken sie im Kopf zwangsläufig auf das Gehirn, da sich das Gewebe innerhalb des Schädelknochens nicht ausdehnen kann. Die Behandlung erfolgt in erster Linie durch Kochsalzgaben und Flüssigkeitsrestriktion. Je weniger man isst... Ernährungsbedingte Ursachen, die zu einer Wasservergiftung beitragen können, sind insbesondere: Reichliche Zufuhr natriumarmer, hypotoner Flüssigkeiten wie Apfelschorle, (natriumarmes) Mineralwasser, Bier, Limonaden, Sportgetränke und verdünnte Säuglingsmilchnahrung. Hohe Zufuhr von Kalorien in flüssiger Form, z. B. Säfte bei Kleinkindern. Dadurch unterbleibt das Hungergefühl und es kommt langfristig zu einem Natriummangel, weil die Zufuhr des wichtigen Elektrolyts über feste Speisen nicht gewährleistet ist. Unnötig verstärkt wird diese Gefahr durch den DGE-Tipp „Je weniger man isst, desto mehr sollte man trinken”, der sich in den aktuellen Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr wieder findet. Salzmangel durch eingeschränkten Verzehr, z. B. durch salzarme Diät bei Bluthochdruck oder zur Gewichtsreduktion. Verstärkt wird der Effekt bei hoher Zufuhr von Kalium, dem Gegenspieler des Natriums, etwa im Rahmen von Diäten (Reis, Obst, Fruchtsäfte) oder durch Verwendung von Kochsalzersatz. Geringe Nahrungsaufnahme bei niederkalorischen oder eiweißarmen Diäten. Neben dem Natrium ist dadurch auch die Versorgung mit anderen osmotisch wirksamen Substanzen aus der Nahrung wie z. B. Glucose oder Harnstoff eingeschränkt. Mangelt es aber an gelösten Teilchen, so wird die Niere an der Wasserausscheidung gehindert. Diuretikamissbrauch zur Gewichtsabnahme (Diuretika sind Arzneimittel, die eine erhöhte Ausscheidung von Natrium-, Chlorid- und Bicarbonat-Ionen sowie (indirekt) von Wasser bewirken. Dadurch wird das Plasmavolumen gesenkt und Stauungsymptome verbessern sich). Diuretika führen zu vermehrter Wasserausscheidung, wobei das Wasser neben Natrium und Kalium auch andere Stoffe mitnimmt. Das wiederum kann zu riskanten Elektrolytverlusten führen. Gesundheitsrisiko durch Ratschläge Beim Zusammenwirken mehrerer Faktoren oder bei entsprechender Disposition sinkt die Risikoschwelle. Damit stellen vor allem allgemeine Empfehlungen, die von öffentlichen Gremien wie DGE und Verbraucherministerium herausgeben werden – etwa die Kochsalzzufuhr einzuschränken, Normalgewicht anzustreben und die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen – , ein gesundheitliches Risiko dar. Dazu gehört auch die Ermahnung „Durst sollte ... nur in Ausnahmesituationen Stimulus zur Flüssigkeitsaufnahme sein”. Demnach sollte man schon „vorher” trinken. Dieser Ratschlag impliziert, dass das körpereigene Durstgefühl den wahren Bedürfnissen hinterherhinkt. Mit der gleichen Logik könnte man auch empfehlen, die Toilette aufzusuchen, bevor die Blase drückt. Wasserbedarf: Der menschliche Körper besteht überwiegend aus Wasser, wobei der absolute Gehalt vom Fettanteil abhängt. Obwohl die fettfreie Masse ziemlich exakt 73 Prozent H2O enthält, kann ein magerer Mensch zu bis zu 70 Prozent aus Wasser bestehen, ein adipöser jedoch nur zu 45 Prozent. Pro Tag verliert ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener, der keiner körperlichen Arbeit nachgeht, etwa 2,5 Liter Wasser über Urin, Stuhl, Atemluft und Schweiß. Ersetzt wird es durch das im Körper bei der Energiegewinnung freiwerdende Oxidationswasser und dem Wasser aus fester und flüssiger Nahrung. Eine Frage der Konstitution Der Wasserbedarf unterliegt erheblichen individuellen Schwankungen. Es gibt Personen, die mit einem halben Liter an Getränken pro Tag gut zurecht kommen, während andere selbst ohne schweißtreibende Tätigkeiten mindestens zwei Liter benötigen. Diese Differenzen können z. B. auf Unterschieden in der Thermoregulation oder der Nierenfunktion beruhen, ohne deshalb pathologisch zu sein. Wer stark schwitzt, kann das 3- bis 4-fache an Flüssigkeit benötigen. Eine Rolle spielen auch Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und -temperatur, da sie die Abgabe von Wasser über die Atemluft beeinflussen. Nicht zuletzt enthalten manche Speisen reichlich Wasser. Beispielsweise bestehen Gurken zu 97 Prozent aus Wasser, während es der Apfelsaft nur auf 88 Prozent bringt. Daher sind viele Gemüsearten bessere Wasserlieferanten als Limonaden oder Fruchtsäfte. Verbissener Zahlenfetischismus pauschale Empfehlungen zur Trinkmenge sind folglich realitätsfremd. Ein großes Rätsel geben dabei die Referenzwerte der DGE auf, nach denen Kinder im Alter von drei Jahren täglich 940 Milliliter trinken sollen, 18-Jährige 1530 Milliliter, 19-Jährige 1470 Milliliter, 64-Jährige 1230 Milliliter und 65-Jährige 1310 Milliliter. Ob Marathon, Triathlon oder Klettern – die Zahl der Extremsportler wächst kontinuierlich. Liefen 1974 beim ersten Berlin-Marathon noch 274 Athleten mit, so waren es 2002 bereits gut 30.000 Teilnehmer. Kollabiert ein Marathonläufer nach dem Rennen, liegt der Verdacht auf Hitzeschock oder zu große Flüssigkeitsverluste am nächsten. Doch es häufen sich die Fälle, in denen nicht der Wassermangel, sondern eine Wasserintoxikation den Zusammenbruch bewirkt hat. Dabei kann nicht nur das Trinken von Mineral- oder Trinkwasser, sondern auch der literweise Konsum von vielfach empfohlenen isotonischen Getränken zu einer Flüssigkeitsüberladung des Organismus führen. Mögliche Konsequenzen sind massive Hyponaträmie und lebensbedrohliche Ödeme in Lunge und Gehirn. Tödlicher Überlauf Bereits 1985 wurde das Phänomen an einer 46-jährigen Marathonläuferin aus Südafrika dokumentiert. Doch es sollte noch viele Jahre dauern, bis die Welt des Sports das mögliche Ausmaß einer akuten Wasservergiftung tatsächlich wahrnahm. Das große Erwachen kam mit dem Tod einer Teilnehmerin des Boston Marathons im Jahre 2002. Sie starb nach dem Lauf an einer Enzephalopathie (ist ein Sammelbegriff für krankhafte Veränderungen des Gehirns unterschiedlicher Ursache und Ausprägung. Der Begriff wird im Allgemeinen nur für Veränderungen verwendet, die das Gehirn als Ganzes und nicht nur einzelne Gehirnabschnitte betreffen), die sich aufgrund exzessiver Flüssigkeitsmengen entwickelte, welche sie vor und während des Rennens getrunken hatte. Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist in solchen Fällen eine schnelle und richtige Diagnose, die naheliegende Fehldiagnose „Hitzeschock” kann für den Patienten tödlich sein. Ein 23-jähriger Triathlet überlebte nur deshalb, weil ihn der Notarzt sofort auf Wasserintoxikation hin therapierte. Er hatte vor und während des Rennens 23 Liter isotonische Flüssigkeit getrunken, was (nur) zu 3,2 Kilogramm Gewichtszunahme und einem Abfall des Natriumspiegels auf 116 Millimol pro Liter geführt hatte. Eine Woche Intensivstation mit intravenösen Natriumgaben half ihm wieder auf die Füße. Bisher sind in der Fachliteratur mehr als 250 Fälle von Ausdauersportlern mit Wasservergiftung dokumentiert. Dabei steht fest, dass diese nur die Spitze des Eisberges bilden. Denn tückischerweise ähneln die Symptome der Flüssigkeitsüberladung denen der Dehydration, weshalb es typischerweise zur Fehldiagnose kommt. Nach Ansicht des südafrikanischen Sportmediziners Tim Noakes lässt sich die Wasservergiftung bei Langzeitsportarten auf eine Überbewertung hoher Trinkmengen für Gesundheit und Erhalt der Leistungsfähigkeit zurückführen. Dabei gibt es bis heute keine Evidenz dafür, dass beispielsweise Marathonläufer über ihren Durst trinken müssen. Ganz im Gegenteil: Für die Langstreckenathleten von der Antike bis gegen Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts war eher gemäßigtes Trinken angesagt. Es wurde davor gewarnt, dass zuviel Flüssigkeit die Leistungsfähigkeit mindert. Weniger ist mehr Warum beim Sport kleinere Trinkmengen besser sind als große, zeigt Noakes. Er fand heraus, dass Langstreckensportler während des Wettkampfs durch Ausschwitzen von Salz meist in einen Natriummangel kommen. Doch wer 1-2 Kilogramm Schwitzwasserverlust in Kauf nimmt und keine besonderen Maßnahmen ergreift, bei dem sind Flüssigkeits- sowie Mineralienhaushalt innerhalb von zwei Tagen wieder auf Ursprungsniveau. Die entstandene Hyponaträmie ist zwar anhand der Blutparameter messbar, bleibt aber ohne Symptome. Anders bei denjenigen, die reichlich trinken: Der Natriummangel wird durch die Flüssigkeitsaufnahme verstärkt und die Gefahr einer Wasserintoxikation steigt. Der menschliche Organismus ist weder Kamel noch Kaktus: Ihm fehlen jegliche Wasserspeicher. Überschüssige Flüssigkeit strömt in die extrazellulären Kompartimente, verdünnt dort die Elektrolytkonzentration und entzieht dem Plasma Natrium. Gleichzeitig schwellen Hände und Füße an, schließlich bilden sich lebensbedrohende Ödeme in Lunge und Gehirn. In 73 Prozent aller Fälle, so Untersuchungen aus Neuseeland, ist die symptomatische Hyponaträmie beim Sportler auf erhöhte Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen. Noakes, selbst engagierter Verfechter des Marathons als „Sport für alle”, warnt daher vor exzessiver Flüssigkeitszufuhr. Er plädiert – ebenso wie die amerikanische Behörde für Leichtathletik, Marathon und Laufwettbewerbe – für das „Trinken nach Durstgefühl” mit einer Trinkmenge von höchstens 800 Milliliter pro Stunde während des Wettkampfs.   Homöostase von Durst und Salzappetit Die Homöostase (eine Selbstregulation die die grundlegende Tatsache bezeichnen, dass jeder lebende, also nicht im Sterben befindliche, Organismus wie ein Homöostat funktioniert, da er die zu seinem Überleben notwendigen Binnenbedingungen - z. B. bei Warmblütern die Körpertemperatur - konstant hält), zielt nicht nur auf einen konstanten Wassergehalt ab (Volumenregulation), sondern auch auf eine konstante Osmolarität (ist besonders für den Flüssigkeitstransport und Flüssigkeitshaushalt von Zellen wichtig) der Körperflüssigkeiten (Elektrolytregulation). Volumenregulation: Da der Körper nur geringe Wasserreserven besitzt und kaum überschüssiges Wasser speichern kann, muss ein gestörtes Gleichgewicht schnell wieder ausgeglichen werden. Lediglich das intrazelluläre Wasser kann kurzfristig Mängel ausgleichen. Verliert der Körper Wasser, sinkt das Blutvolumen. Spezielle Volumenrezeptoren sorgen über hormonelle Mechanismen dafür, dass vermehrt Wasser in den Nieren zurück gewonnen wird und das Durstgefühl steigt. Bei erhöhter Wasserzufuhr hingegen steigt das Blutvolumen, was die Niere zu vermehrter Ausscheidung angeregt und das Durstgefühl unterdrückt. Elektrolytregulation: Für die Körperfunktionen ist die Konzentration an Natrium- und Kaliumionen in den Körperflüssigkeiten entscheidend. Die Konzentration von Na+-Ionen im Blut entspricht im Normalfall der K+- Ionen-Konzentration in den Zellen, was einen ausgeglichenen osmotischen Druck auf beiden Seiten der Kapillarwände gewährleistet. Bei Na+-Überschuss im Blut oder K+-Mangel in den Zellen entzieht das Blut aufgrund der osmotischen Druckunterschiede den Zellen Wasser. Bei Na+-Mangel oder K+-Überschuss nimmt das Wasser den umgekehrten Weg und strömt vermehrt ins Zellinnere. Die Natriumregulation erfolgt ebenfalls per Ausscheidung über die Nieren. Bei Na+ -Überschuss produziert die Niere geringe Mengen stark konzentrierten Urins, bei Mangel große Mengen verdünnten Urins. Durst durch Trinken: Dass eine überhöhte Flüssigkeitszufuhr ab einer gewissen Menge zur Entgleisung der Homöostase führt und den Durst anregt, klingt zunächst paradox, ist aber die logische Folge der geschilderten Regulation: War die Natriumzufuhr über einen längeren Zeitraum zu niedrig bzw. die Wasserzufuhr zu hoch, so führt dies zu einem Natriummangel im Blut und zur Wasserverlagerung aus den Gefäßen in die Zellen. In der Folge versuchen die Volumenrezeptoren die Wasserverluste auszugleichen, indem sie das Durstgefühl anregen. Der starke Durst, der sich zu Beginn einer Hyponaträmie einstellt, ist ein wichtiger diagnostischer Hinweis auf eine Wasservergiftung.   Sauerstoff: In Luft aufgelöst Sauerstoffangereichertes Wasser soll seinen Anbietern zufolge wahre Wunder für Gesundheit und Leistungsfähigkeit erbringen. Besonders Sportlern wird es immer wieder zur Verbesserung der Performance empfohlen. Doch bisher mangelt es an Studien, die einen positiven Effekt belegen. Eine kleine Doppelblindstudie mit Crossover-Design bestätigt stattdessen die Wirkungslosigkeit der sauerstoffangereicherten Produkte als Leistungssteigerer. Denn ganz gleich, ob die elf Teilnehmer vor dem Ergometertest angereichertes oder normales Wasser getrunken hatten: Ihre physiologischen Leistungsparameter wurden dadurch nicht beeinflusst. Kaum verwunderlich, erfolgt die Sauerstoffsättigung des Blutes doch über die Atemluft und die Lunge und nicht über den Darm. Wer glaubt, diese Sättigung ließe sich durch den Konsum von Sauerstoffwasser steigern, kann sich getrost als Opfer einer höchst phantasievollen Marketingidee ansehen.
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