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Vitamine als Steuer- und Reglerstoffe

Trotz einer kalorisch ausreichenden Nahrungsaufnahme kann es aufgrund unserer heutigen Ernährungsgewohnheiten — beim überwiegenden Verzehr „nährstoffarmer" Lebensmittel — zu bestimmten „Versorgungslücken" kommen. Bei denjenigen Sportlern, die auf längere Sicht zu wenig an bestimmten Vitaminen (und Mineralstoffen) über die Nahrung aufnehmen, kann dies zu einem für sie unerklärbaren Leistungsabfall führen. Dieser äußert sich z. B. in vorzeitiger Ermüdbarkeit bzw. Konzentrationsmangel oder Koordinationsstörungen.


Vitamine sind für unser körperliches Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit zwar nur in „kleinsten" Mengen notwendig, aber dennoch sind sie nicht entbehrlich. Unser Organismus kann die meisten nicht selbst aufbauen.

 

Ohne Vitamine läuft nichts!
Als Bestandteil von Enzymen (körpereigenen Katalysatoren) füngieren sie einerseits im Energiestoffwechsel als „Zündstoffe", andererseits bewirken sie materielle Umsetzungen im Baustoffwechsel unseres Körpers. Welche Vitamine mit zentralen Stoffwechselvorgängen verknüpft sind, zeigt die nebenstehende Darstellung. Sie macht auch die Schlüsselfunktionen bestimmter im Sport wichtiger Vitamine deutlich. Wer Krafttraining betreibt, benötigt — wie wir inzwischen wissen — mehr Eiweiß. An der Eiweißverwertung in der Zelle ist aber das Vitamin B6 beteiligt, denn es spielt als Coenzym beim Auf-, Um- und Abbau von Eiweißbausteinen eine zentrale Rolle.

 

Vitamine
B6 B12 A

=> Eiweißwechsel

Vitamine
B1
Niacin

=> Kohlenhydratwechsel

Vitamine
B2 Niacin E

=> Fettstoffwechsel

 

So ist leicht verständlich, daß eine gesteigerte Proteinzufuhr mit der Nahrung zu einem erhöhten Vitamin B6-Bedarf führt. Mit steigendem Energieumsatz nimmt der Bedarf an den Vitaminen zu, die mit dem Energiestoffwechsel direkt oder indirekt verknüpft sind. Dies betrifft im Sport hauptsächlich das Vitamin B1 sowie in geringerem Maße das Vitamin B2 und das Niacin. Vitamin B, ist „Zündstoff" beim Kohlenhydratabbau! Es greift aber auch über den Abbau bestimmter Endprodukte in den Aminosäure- und Fettstoffwechsel ein. Folglich: Je höher der Kohlenhydratumsatz (-bedarf) ist, desto mehr Thiamin ist nötig!

 

Nur bei genügendem Vorrat ist ein reibungsloser Kohlenhydratstoffwechsel (sprich eine optimale Energiebereitstellung aus Kohlenhydraten bzw. dem Muskelglykogen) gewährleistet, selbst wenn zuvor kohlenhydratreich gegessen wurde.

 

Es ist demnach ratsam, vor dem Sport möglichst solche Lebensmittel zu wählen, die gleichzeitig Kohlenhydrate und Vitamin B1 liefern. Bei unzureichender Zufuhr von Vitamin B1 sinkt zunächst dessen Gehalt im Muskel, was sich hemmend auf den Energiegewinnungsprozeß aus Kohlenhydraten auswirkt.


Unser Körper ist zwar in der Lage, dieses Vitamin in gewissem Umfang zu speichern, um vorübergehende Versorgungsengpässe zu überbrücken. Doch solche Engpässe können im Sport schneller auftreten. Da die Möglichkeit der Vitamin B1 Bevorratung begrenzt ist, wird man leicht einsehen, daß eine einseitige Kost aus überwiegend „leeren" Energieträgern weder den akuten Bedarf decken kann, geschweige denn Vorräte schaffen könnte!

 

Andererseits ist eine über den Bedarf hinausgehende Vitaminzufuhr (Überdosierung) nutzlos, da sie keine Leistungssteigerung bringt, allenfalls einen Placebo-Effekt. Aus diesem Grunde sollte man, wenn gelegentlich über Wunderwirkungen von Vitaminen und Mineralstoffen berichtet wird, diesen Aussagen gegenüber kritisch sein. Nur wenn zuvor ein Mangel bestand, ist eine Leistungsverbesserung möglich. Diese Überlegungen schließen nicht aus, daß der Bedarf eines Leistungssportlers an Vitaminen im Vergleich zu einem Nicht-Sportler höher ist.

 

Welche Konsequenzen hat das für die Ernährung ?
In der praktischen Ernährung erfordern die einzelnen Vitamine unterschiedliche Beachtung. Die meisten von ihnen sind in den natürlichen, pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln weit verbreitet, so daß beim Verzehr einer gemischten Kost im allgemeinen eine ausreichende Versorgung erfolgt.

 

Dagegen stehen sie uns in vielen verarbeiteten Nahrungsprodukten — den Erzeugnissen aus hellen Mehlen, im polierten Reis sowie in Süßigkeiten und in Limonadengetränken — nicht in genügender Menge zur Verfügung. (Näheres dazu im Lebensmittelteil!)

 

Echte Mangelsituationen wie typische Krankheitsbilder durch vollständiges Fehlen eines Vitamins sind heute zwar äußerst selten; viel eher schon ist heutzutage eine unzureichende Versorgung, d. h. ein latenter (verborgener) Mangel bei einem bevorzugten Verzehr „nährstoffarmer" Lebensmittel zu beobachten. „Kritisch" bei vorgenannter Ernährungsweise wird dann die Versorgungslage hinsichtlich der Vitamine B1 (Thiamin) und B6 (Pyridoxin) aber auch, und das sei an dieser Stelle erwähnt, für die Mineralstoffe Calcium und Eisen. In der täglichen Ernährung muß daher jeder seine Aufmerksamkeit auf die „kritischen" Nährstoffe, d.h. auf die vorher genannten Vitamine und Mineralstoffe konzentrieren.

 

Vernünftig ernähren heißt die Devise!
Also: weniger Weißbrot, Kuchen, Süßigkeiten, fettreiche Lebensrnittel, stark gezuckerte Getränke und hochprozentige Alkoholika!
 

In unserer Nahrung sind es vor allem drei Quellen, die den Hauptanteil an Vitamin B1 bereitstellen: Vollkornerzeugnisse, Kartoffeln, Fleisch. Vitamin B6 ist in Getreiden, Milch, Eiern und Fleisch enthalten.

(C)

 
 

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